14. Juli 1941

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Editorial 1938 1939 1940 1941 1942 1943 1944 1945 1946 1947 1948 1949 Gefangenschaft Epilog Anhang

Chronik 40–45

Januar Februar März April Mai Juni Juli August September Oktober November Dezember Eine Art Bilanz Gedankensplitter und Betrachtungen Personen Orte Abkürzungen Stichwort-Index Organigramme Literatur Galerie:Fotos,Karten,Dokumente

Chronik 45–49

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31.

Erfahrungen i.d.Gefangenschaft Bemerkungen z.russ.Mentalität Träume i.d.Gefangenschaft

Personen-Index Namen,Anschriften Personal I.R.477 1940–44 Übersichtskarte (Orte,Wege) Orts-Index Vormarsch-Weg Mil.Rangordnung 257.Inf.Div. MG-Komp.eines Inf.Batl. Kgf.-Lagerorganisation Kriegstagebücher Allgemeines Zu einzelnen Zeitabschnitten Linkliste Rotkreuzkarte Originalmanuskript Briefe von Kompanie-Angehörigen

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GEO & MIL INFO
14. Juli –Husiatyn (frühere polnisch-russische Grenze) Karte — map
14./15. –Czemerowce–Lanckoruń[1]
16. –Balin/Saleszy[2]
17. –Dunajewzy (Rast)–Iwankowzy/Szibory[3]
18. Rasttag[4]
19. –Nowaja Uschicza[5]
20. –Samechow (Rast?)–Konischtscheff[6]
21. –Marjanowka/Wolodijewzy–Kopai Gorod[7]
22. –Romanki/Dolgowzy (Rast)–Schargorodskaja/Schargorod[8]
23. –Juliampol[9]
24., 25. Rasttage
26. –Orlowka[10]
27. Rasttag
28. –Tulcyn[11]
29. –Bogdanowka/Lukaschewka (Rast?)–Ladyshin[12]
30. –Ssobolewka/Boljschaja Motschulka[13]
31. –Schljachowa[14]
1. August Rast („Pferde durch gestrigen Marsch auf schlammigen Wegen erschöpft“)
2. –Stanislawtschik[15]
Karte — map
3. –Golowanjewsk Karte — map
OKW-Lagekarte 1941/August Karte — map
3.8.: I.R. 477 der 1. Geb.Div. unterstellt[16]
(diese bei XXXXIX. (Geb.)A.K.)

Wir nähern uns Husiatyn, dem Ort an der polnisch-russischen Grenze. Es ist eine ziemlich unansehnliche Siedlung, ein großes Dorf. Die meisten Häuser sind Holzbauten, nur selten ist ein Steinhaus darunter. In einer weiten Senke beginnend, zieht sich der Ort noch hoch an den Hang hinauf, der sich, immer steiler werdend, wie ein Wall zur russischen Seite hin erhebt. Eine ideale natürliche Grenze für die Russen!

Wir überschreiten die Holzbrücke über den kleinen Fluss, der den unteren Ortsteil durchfließt, und sind nun auf russischem Boden.[17] Wir folgen der schlecht gepflasterten Straße, die in engen Windungen den hohen Hang hinaufführt. Noch rauchen und schwelen zahlreiche Hausruinen. Die verkohlten Balken glimmen und knistern. Der Ort ist erst vor wenigen Tagen von SS-Einheiten in erbittertem Ringen erobert worden.[18] Überall in den Gärten stehen die Kreuze der gefallenen SS-Soldaten, und ihre große Zahl zeugt von der furchtbaren Härte des Kampfes, der an dieser schwer zu überwindenden Grenze getobt hat.

Oben angekommen, dehnt sich vor uns bis zum Horizont die flache, öde, baumlose Ebene, über die sich nun unsere langen Kolonnen auf gewundenen Wegen wie gefährliche Riesenschlangen nach Osten bewegen.

Wir haben unser Tagesziel, ein kleines Dorf, erreicht, und ich habe mein Quartier bezogen. Aber dem Nachbarbauern lässt es keine Ruhe, dass er keine Einquartierung bekommen hat. Er überredet mich, in sein Haus zu ziehen. Ich erfülle ihm den Wunsch, zumal ich sehe, dass er eine nette Tochter etwa meines Alters bei sich hat. In seiner Freude setzt er mir einen großen Teller Bratkartoffeln auf den Tisch, die ich mit Appetit zu verspeisen beginne. In diesem Augenblick kommt der Kompaniechef herein. Nach ein paar freundlichen Worten erkundigt er sich nach der Unterbringung der Pferde. Meine Auskunft befriedigt ihn nicht, und plötzlich fängt er zu poltern an. Zuletzt jagt er mich noch los, damit ich nach den Pferden sehe. Er ist ein altes Ekel, und den gemütlichen Abend mit dem Bauern und seiner Tochter hat er mir auch verdorben.

Einige Tage später. Nach Erreichen unseres Zieles hatten wir unsere Quartiere bezogen, und inzwischen war es dunkel geworden. Da ruft der Alte die Zugführer zusammen und schnauzt sie wieder an. Er hatte festgestellt, dass im Dorf einige Akazien stehen, und dass einige unserer Pferde unter diesen Bäumen festgemacht waren. (Akazien sollen für Pferde giftig oder wenigstens unbekömmlich sein.)[19] Dann befiehlt er, dass ab sofort nach Errei••• S. 26 •••chen des Tageszieles schriftlich zu melden sei, dass die Pferde vorschriftsmäßig versorgt seien. Die Zugführer finden das lächerlich. Leutnant NN[20] gibt Widerworte, und es kommt zu einem heftigen Wortwechsel.

Unsere MG-Kompanie (mit schweren Maschinengewehren und Granatwerfern) ist die schwere Kompanie unseres Infanteriebataillons. Deshalb sind wir bespannt, d. h. wir haben viele Pferde. Die Pferde sind für unsere Beweglichkeit so wichtig wie der Sprit für die motorisierten Truppen. Deshalb ist die Pflege der Pferde sehr wichtig, aber unser Alter übertreibt sie geradezu krankhaft. Wegen der vielen Pferde waren die Chefs der MG-Kompanien oft bäuerlicher Herkunft, und manche von ihnen verstanden von Pferdebehandlung mehr als von Menschenführung. Unser Alter scheint seinen größeren Pferdesachverstand uns gegenüber zu benutzen, um seine Autorität zu stützen. Der neue Leutnant, der gleich Streit mit dem Chef bekam, ist erst kürzlich zu unserer Kompanie gekommen. Auch er mochte mich auf Anhieb gern leiden. Vielleicht ist er von Leutnant Herzog beeinflusst. Mir soll das sehr lieb sein, denn ich habe zur Zeit keinen leichten Stand. Ich bin zwar OA-Feldwebel, aber der einzige Reservist unter den vier Zugführern, noch dazu der dienstjüngste mit wenig Kampferfahrung. Die drei anderen Züge werden von den beiden Leutnants und einem aktiven Feldwebel geführt. Hinzu kommt, dass ich als Akademiker bei dem bäuerlichen Alten zusätzlich auf Animositäten stoße.


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Personen-Index Namen,Anschriften Personal I.R.477 1940–44 Übersichtskarte (Orte,Wege) Orts-Index Vormarsch-Weg Mil.Rangordnung 257.Inf.Div. MG-Komp.eines Inf.Batl. Kgf.-Lagerorganisation Kriegstagebücher Allgemeines Zu einzelnen Zeitabschnitten Linkliste Rotkreuzkarte Originalmanuskript Briefe von Kompanie-Angehörigen

  1. KTB 257. I.D., NARA T-315 Roll 1803 Frame 000354/60, Benary S. 33
  2. Frame 000360
  3. Frame 000366/96
  4. Frame 000366/96
  5. Rückschluss aus Frame 000400 („Masse der Div. im Vormarsch“) und 000401 (Weitermarsch ab Nowaja Uschicza); der Autor erwähnt den Ort nicht im Text, aber in einer Liste der Vormarsch-Orte
  6. Frame 000401/05/08/27
  7. Frame 000428 (der Karteneintrag ist als „grün“ zu interpretieren), Rückschluss auch aus 000421 (Weitermarsch ab Kopai Gorod)
  8. Frame 000421/57
  9. Rückschluss aus Frame 000430
  10. Das geplante Ziel Tulcyn (Frame 000439) konnte wegen Regen nicht erreicht werden. Vgl. Frame 000446/53/55/57/58
  11. Frame 000455
  12. Frame 000461/64
  13. Frame 000463/64
  14. Frame 000465/81
  15. Frame 000504
  16. Frame 000511
  17. „Russland“ und „Russen“ war lange Zeit eine gängige pars-pro-toto-Bezeichnung aus der Zeit des (damals erst vor gut 20 Jahren untergegangenen) Zarenreiches für „Sowjetunion“ und „Sowjets“ (sowjetische Soldaten, Soldaten der Roten Armee) oder „Bürger der Sowjetunion“, die der Autor ebenfalls benutzt, wobei ihm als Geograph bewusst war, dass er sich nun in der Ukraine befand.
  18. am 7. Juli 1941 vom Regiment „Westland“ der SS-Division „Wiking“ (vgl. auch Frame 000324)
  19. Vermutlich handelte es sich um Gewöhnliche_Robinie#Giftigkeit Robinien, die auch Falsche oder Scheinakazien genannt werden und gerade auch für Pferde tödlich giftig sind.
  20. Der Platz für manche fehlende Namen ist im Original ausgespart, aber sie sind dem Autor leider nicht mehr eingefallen.