25. Oktober 1941

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Editorial 1938 1939 1940 1941 1942 1943 1944 1945 1946 1947 1948 1949 Gefangenschaft Epilog Anhang

Chronik 40–45

Januar Februar März April Mai Juni Juli August September Oktober November Dezember Eine Art Bilanz Gedankensplitter und Betrachtungen Personen Orte Abkürzungen Stichwort-Index Organigramme Literatur Galerie:Fotos,Karten,Dokumente

Chronik 45–49

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31.

Erfahrungen i.d.Gefangenschaft Bemerkungen z.russ.Mentalität Träume i.d.Gefangenschaft

Personen-Index Namen,Anschriften Personal I.R.477 1940–44 Übersichtskarte (Orte,Wege) Orts-Index Vormarsch-Weg Mil.Rangordnung 257.Inf.Div. MG-Komp.eines Inf.Batl. Kgf.-Lagerorganisation Kriegstagebücher Allgemeines Zu einzelnen Zeitabschnitten Linkliste Rotkreuzkarte Originalmanuskript Briefe von Kompanie-Angehörigen

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Schlammperiode!

Es regnet jetzt häufig, aber die Sonne hat nicht mehr die Kraft, das Wasser zu verdunsten. Es sickert in den Boden und verwandelt ihn in Morast, bis der Frost ihn wieder erhärtet. Im Frühjahr ist es umgekehrt. Es wird schnell warm, und der Schnee schmilzt schneller, als der Boden aufsaugen kann, und so weicht das Schmelzwasser den Boden wieder auf. Diese beiden Schlammperioden im Frühjahr (Raspútiza genannt) und im Herbst sind zwar relativ kurz, weil der Übergang vom Winter zum Sommer und umgekehrt sehr schnell erfolgt, aber dennoch sind sie jedem Russlandkämpfer in fürchterlicher Erinnerung. Da die meisten Wege in Russland keine Straßen mit Kunstdecke sind, sondern eben nur festgefahrene Wege, verwandeln sie sich bei Regen in Morast. Besonders hier in dem fetten Schwarzerdegebiet der Ukraine ist es ein zäher Brei, in dem die Landser bis fast an die Waden einsinken und die Räder unserer Fahrzeuge manchmal einen halben Meter absacken. Wenn dann die Fahrspur zu tief geworden ist, suchen sich die Fahrzeuge neben der ausgefahrenen Spur eine neue, bis auch diese grundlos geworden ist. So entsteht eine Bahn neben der anderen. Wir haben kürzlich eine Strecke passiert, wo sieben Fahrspuren nebeneinander herliefen, so dass die „Vormarschstraße“ fast hundert Meter breit war.

Während sich die Gespanne mit den voll beladenen, für russische Verhältnisse viel zu stabil und schwer gebauten HF1 durch die tiefen, ausgefahrenen Spuren quälen, stapfen die Landser in aufgelösten Gruppen breitbeinig und schwerfällig durch den Schlamm, bei jedem Schritt die Beine hoch anhebend, weil an den Stiefeln massige Klumpen dieser zähen Erde kleben. Manchmal zog sich der Fuß aus dem Stiefel, weil sich dieser in dem zähen Schlamm festgesaugt hatte. Der Marsch durch diesen grundlosen Morast verbrauchte unsere Kräfte, und wenn wir abends hundemüde im Quartier anlangten, hatten wir neun bis zehn Kilometer Tagesleistung erzielt. Am meisten tun mir unsere ••• S. 49 •••treuen Pferde leid. Die armen Tiere sind völlig erschöpft. Längst schon haben wir unsere Reitpferde wieder als Zugpferde eingespannt. Unsere russischen Beutepferde, die kleinen Panjepferdchen, sind widerstandsfähiger. Sie ziehen die leichten Panjewägelchen durch jeden Dreck.[1]

Schlammperiode, wohl in der Ukraine. Hier ist nicht der Wagen, ein Panjewagen, sondern die Pferde im Schlammloch versunken

Aber der Vormarsch geht weiter, trotz aller Strapazen. Wir müssen den Donez erreichen, die strategische Linie, an der entlang wir verteidigungsfähige Winterstellungen bauen können. Und wir müssen ihn vor dem Wintereinbruch erreichen. An jedem Tag gibt es irgendeine Panne. Heute (25.10.1941)[2] hat es mich erwischt. Der Tagesmarsch war ohne Zwischenfälle verlaufen, und wir nähern uns dem Tagesziel. Die Spitze des Bataillons hat die ersten Häuser des Dorfes schon erreicht. Da versackt ein vollbeladener HF1 meines Zuges in einem tiefen Schlammloch. Der Fahrer versucht mit allen Tricks herauszukommen, aber dabei wühlen sich die Räder immer tiefer in den Morast. Die Hinterräder stecken fast bis zur Achse drin. Und wir stehen nur fünfhundert Meter vor dem Dorf! Ich lasse den Zug weiterfahren und bleibe bei dem Unglückswagen. Die anderen Kompanien ziehen an uns vorüber, während sich meine Fahrer und zwei Gruppen bemühen, das Fahrzeug wieder flott zu machen. (Auf dem Marsch war jedem Fahrzeug eine Gruppe Soldaten zugeteilt, die bei schlechten Wegstrecken helfen sollten.) Das Bataillon hat längst seine Quartiere erreicht. Selbst die Nachzügler sind schon alle vorbei. Es dunkelt bereits. Da entschließe ich mich zum letzten, ungern gebrauchten Mittel: Das Fahrzeug wird entladen, um es zu entlasten. Gepäck und Munitionskisten werden in dem Schlamm gestapelt. Aber selbst das leere Fahrzeug rührt sich nicht von der Stelle. Die Pferde sind erschöpft und wollen nicht mehr anziehen. Die Männer sind unlustig. Ich schicke nun einen Mann ins Dorf, um ein zweites Gespann zu holen. Schon längst ist es dunkel geworden. Da erscheint der Fahrer mit seinem Gespann. Er ist wider Erwarten bester Laune, spannt seine Pferde vor die unseren, und mit neuem Mut und letzter Kraft ziehen wir das Fahrzeug aus dem Trichter. Nun beladen wir es wieder in aller Eile und gelangen bei stockdunkler Nacht in unsere Quartiere.


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  1. Über den Straßenzustand im Südteil der Ostfront berichtete sogar die Wochenschau (Nr. 586 vom 26.11.1941, ab Minute 13:44, bei YouTube ab 13:54)
  2. vom übernächsten Tag (27.) zurückgerechnet