6. August 1946

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Editorial 1938 1939 1940 1941 1942 1943 1944 1945 1946 1947 1948 1949 Epilog Anhang

Chronik 40–45

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Chronik 45–49

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GEO INFO
Die roten Nadeln in der Karte zeigen eine mögliche Baustelle und drei Standorte von Lazaretten. Karte — map
Likörfabrik Karte — map
E-Werk Karte — map

6.8.46. Neues Kommando: Straßenbau. Eine aus nördlicher Richtung nach Smolensk hineinführende Landstraße soll verbessert werden. Die Straße, eigentlich nur ein besserer Landweg, führt am Flug¬platz vorbei, der am nördlichen Stadtrand von Smolensk liegt. Deshalb wird ein Fliegerleutnant aus unserer Brigade herausgenommen. Er könnte ja mit einem Flugzeug abhauen!

Jeder Mann bekommt 10 m Straße zugewiesen, die er pro Tag schaffen muss. In der Hauptsache muss die Straße planiert und die seitlichen Straßengräben ausgehoben werden. Die Arbeit ist eine Schinderei sondergleichen. Das Schlimmste daran ist das miserable Gerät, die schlechte Schaufel, mit der man sich kaputt quält und doch nichts schafft. Die Stamm-Mannschaft dieser Brigade hat natürlich ihre gekennzeichneten Spaten, die sie jeden Morgen wieder nehmen. Die Neulinge müssen mit dem Brassel arbeiten, der übrig bleibt. Auf dieser Arbeitsstelle habe ich erkannt, dass gutes Arbeitsgerät schon die halbe Arbeit ist. Da ich oft im Rückstand bin, muss ich unter Verzicht auf die Mittagspause gleich nach dem Essen wieder weiterarbeiten, während sich die andern nach der Mahlzeit zur Mittagsruhe ins Gras legen. Trotzdem kam es vor, dass ich auch dann nachmittags noch nicht fertig war, so dass die Kameraden kurz vor Arbeitsschluss meinen Abschnitt noch mit fertig machen mussten, was sie erstaunlicherweise ohne Murren taten. Kein Wunder, dass ich dieser Schwerstarbeit bei der Wassersuppen-Verpflegung auf die Dauer nicht gewachsen war. Ich wurde immer magerer.

Auf dem Rückweg zum Lager marschierten wir immer in Marschkolonne, und da die russischen Posten uns gern singen hörten – ich habe das öfter festgestellt – sangen wir unsere alten Soldaten¬lieder. Unser Weg führte auch an einem russischen Lazarett vorüber, und die lädierten Iwans standen am Zaun und hörten unser Lied: „... Deutsche Freiheitskämpfer fallen, aber wanken, weichen tun sie nicht...“[1] Da schmissen sie wütend mit Steinen nach uns. Einen trafen sie am Ohr. Der wollte nicht mehr mitsingen.

Das einzig gute an diesem Kommando war, dass ich relativ gut verdiente. Jedenfalls bekam ich nach Abzug aller Pflichtbeiträge immer noch ein paar Rubel heraus. Aber nach 2 Wochen musste ich das Kommando aufgeben. Ich war zusammengeklappt. Dabei war es nicht einmal die Schwerarbeit allein, die mich umwarf, sondern die Tatsache, dass wir wegen der fürchterlichen Wanzenplage keine Nacht ruhig schlafen konnten. Die blanke, strohsacklose Holzpritsche im Kinosaal war völlig verwanzt. Wir wälzten uns unruhig hin und her, bis wir uns verzweifelt aufrichteten, das Hemd abstreiften und es nach Wanzen absuchten, die wir zwischen den Daumennägeln zerknipsten. Das geschah in jeder Nacht. Mein Rekord waren 67 Wanzen. Das ist das einzige, was wir hier im Überfluss haben: Wanzen, Läuse und Flöhe.[2]

Smolensk, vom Dnjepr aus gesehen. (1941) Flößerholz im Dnjepr[3]

Likörfabrik.[4] Ein angenehmes Kommando, leichte Arbeit. Wir sind nur 4 Mann. Auch hier keinerlei Zugang zu den eigentlichen Fabrikationsstätten, sondern nur Nebenarbeiten verschiedener Art. Vor allem fischen wir Baumstämme aus dem Dnjepr. Die Fabrik liegt direkt am Fluss. Wir bekommen hier im Betrieb ein zusätzliches Mittagessen, das wir in der Kantine einnehmen. Wir sitzen an einem besonderen Tisch, etwas abgesondert von dem russischen Personal. Sie nehmen auch keine Notiz von uns.

Eines Nachts wird unser kleines Kommando zum Entladen von Kohlezügen im E-Werk[5] zusätzlich eingesetzt, weil es schnell gehen soll. Die Arbeit dauert von 21 Uhr abends bis 5 Uhr früh. Dafür bekamen wir den nächsten Tag frei. Aber wir beschließen, am nächsten Morgen doch zur Arbeit zu gehen, damit nicht andere in unser angenehmes Kommando eingesetzt werden. Dennoch wurden wir bald abgelöst. Derartige Arbeitsstellen sind sehr begehrt.[6]


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  1. Die Worte entstammen einer seltenen Version des Sedanliedes, der diese Strophe angefügt ist:
    „Deutsche Helden, deutsche Männer. Großer Gott, wir loben dich.
    Deutsche Freiheitskämpfer fallen, aber wanken, weichen tun sie nicht.“
  2. Ein Zeitzeuge berichtete Cartellieri (S. 58), dass die Sowjets Läuse erfolgreich bekämpften.
  3. mit freundlicher Genehmigung aus dem Privatarchiv Daniel Popielas, Welzow
  4. Es handelte sich um die Smolensker Brennerei (Смоленский ликеро-водочный завод), die in den 1990er Jahren in Bachus (БАХУС) umbenannt (gem. Redaktion smolnarod.ru) und 2017 liquidiert wurde.
  5. Im E-Werk gab es Anfang 1948 noch einen umfangreicheren Einsatz.
  6. Dass der Autor gleich nach dem durch Schlafmangel bedingten Zusammenbruch beim Straßenbau Tag- und Nachtarbeit leisten konnte, ist unwahrscheinlich, daher gehört die Likörfabrik sicher in einen anderen Zeitraum.