11. Juli 1946

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Editorial 1938 1939 1940 1941 1942 1943 1944 1945 1946 1947 1948 1949 Gefangenschaft Epilog Anhang

Chronik 40–45

Januar Februar März April Mai Juni Juli August September Oktober November Dezember Eine Art Bilanz Gedankensplitter und Betrachtungen Personen Orte Abkürzungen Stichwort-Index Organigramme Literatur Galerie:Fotos,Karten,Dokumente

Chronik 45–49

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31.

Erfahrungen i.d.Gefangenschaft Bemerkungen z.russ.Mentalität Träume i.d.Gefangenschaft

Personen-Index Namen,Anschriften Personal I.R.477 1940–44 Übersichtskarte (Orte,Wege) Orts-Index Vormarsch-Weg Mil.Rangordnung 257.Inf.Div. MG-Komp.eines Inf.Batl. Kgf.-Lagerorganisation Kriegstagebücher Allgemeines Zu einzelnen Zeitabschnitten Linkliste Rotkreuzkarte Originalmanuskript Briefe von Kompanie-Angehörigen

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11.7.46. Vor einigen Tagen ist ein 500-Mann-Transport in ein anderes Lager abgegangen. Heute gehen wieder 150 Mann weg, darunter bin ich und 10 weitere Offiziere. Einige Tage vorher waren wir schon ausgesucht worden. Wir waren zu der üblichen Fleischbeschau angetreten. Es ist wie auf einem Sklavenmarkt.

Wir standen splitternackt vor einer bildschönen jungen Ärztin. Vortreten, kurzer Blick auf unseren Körper, kurzer Kniff in die Hinterbacken (ob fest oder schlaff) – fertig, der nächste. Man nennt dieses Verfahren hier „Kommissionierung“. Wir werden alle arbeitsfähig geschrieben.

Vor dem Abtransport dann Antreten neben dem Lagertor zu der üblichen Filzung. Da ich einen prall gefüllten Rucksack mit vielen unerlaubten Sachen habe, mogele ich mich in einem günstigen Augenblick in die schon abgefertigte Reihe. Dann marschieren wir ab.

GEO INFO
vermutliche Lage des Hauptlagers 277 in Riga[1] Karte — map

Wir marschieren zunächst zum Hauptlager 277 in Riga. Der Weg ist nicht sehr weit. Nun stehen wir vor dem Lager auf einem großen, freien Platz und warten auf den Einlass. Aus den Fenstern der 3 stöckigen Häuser auf der anderen Seite des Platzes gucken einige Bewohner. Einer der russischen Posten sticht plötzlich auf einen Gefangenen mit seinem Bajonett ein.

Ein Auto braust heran und hält. Ein Iwan stürzt eilig heraus, gefolgt von unserem bisherigen Lagerleiter. Der Iwan hat in Sekundenschnelle meinen prall gefüllten Rucksack erspäht, rast heran, reißt den Rucksack auf und zerrt wutschnaubend eine Wolldecke und weitere Sachen heraus. Diese Dinge gehören zwar alle mir, aber laut Bekleidungsvorschrift darf ich nicht so viel besitzen. Sie haben meine Mogelei bei der Filzung also doch irgendwie bemerkt. Glücklicherweise heißt es plötzlich: „Sachen aufnehmen – Marsch!“ Noch im Gehen zerrt der Iwan weitere Sachen aus meinem Rucksack, aber dann muss er zurückbleiben. Durch das Tor in das neue Lager darf er nicht hinein.

••• S. 303 •••Hauptlager 277. Wir sind kaum durch das Tor, da fällt die hiesige Wachmannschaft schon über unsere Habseligkeiten her. Bei mir ist nicht mehr viel zu holen. Der Genosse Iwan draußen hat mir schon fast alles geklaut. Der Posten ist wütend und wühlt ärgerlich in meinem Rucksack herum. Dennoch übersieht er dabei ein feststehendes Messer, das ganz unten im Rucksack lag. – Wir erfahren, dass unser Transport nach Osten geht. Natürlich – wohin sonst!?

Wir werden verladen. Die Wachmannschaft ist gehässig. Kolbenstöße, Bajonettstiche, Faustschläge ins Gesicht. Die Waggons – normale Güterwagen – werden verschlossen. Die kleinen Fensterluken sind mit Stacheldraht vergittert. Während des ganzen Transportes – 3 Tage und 3 Nächte – sind wir nicht aus dem Waggon gekommen, außer bei dem abendlichen Waggonwechsel. Iwan fürchtet, dass wir unterwegs einige Bohlen gelockert haben, um abzuspringen. Drei Tage kein Klo, außer einer Pinkelrinne, und 3 Mann haben Durchfall. Ärztliche Betreuung: Pillen. Es kann also niemand behaupten, dass es keine ärztliche Betreuung gegeben habe! Kein Schlaf, denn die alten Waggons rütteln und klappern. 30 Kochgeschirre für 150 Mann. Essenausgabe jedesmal vorzeitig abgebrochen, wenn es den Iwans nicht schnell genug ging, oder weil sie sich selbst mit unserem Essen vollgefressen haben. Wer hier nicht kerngesund ist, der geht kaputt.


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  1. Hinweis von Alexander Rshavin