11. Februar 1944

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Editorial 1938 1939 1940 1941 1942 1943 1944 1945 1946 1947 1948 1949 Epilog Anhang

Chronik 40–45

Januar Februar März April Mai Juni Juli August September Oktober November Dezember Eine Art Bilanz Gedankensplitter und Betrachtungen Personen Orte Abkürzungen Stichwort-Index Organigramme Literatur Galerie:Fotos,Karten,Dokumente

Chronik 45–49

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31.

Erfahrungen i.d.Gefangenschaft Bemerkungen z.russ.Mentalität Träume i.d.Gefangenschaft

Personen-Index Namen,Anschriften Personal I.R.477 1940–44 Übersichtskarte (Orte,Wege) Orts-Index Vormarsch-Weg Codenamen der Operationen im Sommer 1942 Mil.Rangordnung 257.Inf.Div. MG-Komp.eines Inf.Batl. Kgf.-Lagerorganisation Kriegstagebücher Allgemeines Zu einzelnen Zeitabschnitten Linkliste Rotkreuzkarte Originalmanuskript Briefe von Kompanie-Angehörigen

English

••• S. - Teil a3/Alarmeinheit •••Der Regimentskommandeur kommt in meinen Bunker heruntergestiegen. Er teilt mir mit, dass eine Alarmeinheit mit 180 Mann zu unserer Verstärkung im Anmarsch sei.[1] Da aber der Einheitsführer, Leutnant Freitag, erkrankt sei, müsste ich die Kompanie übernehmen, bis Ersatz für den Erkrankten eingetroffen sei. Die Nachricht erschüttert mich wenig. Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich zwei Kompanien zugleich führen muss. Dass ich meine eigene Kompanie dabei zwangsläufig etwas vernachlässige, ist klar. Das gilt besonders für den Tross, und das sage ich auch dem Kommandeur. Haarhaus wird sofort misstrauisch und fragt, ob in meinem Tross etwas nicht in Ordnung sei. Ich beruhige ihn aber, und er geht.

Zur Erinnerung: Die vorspringende Front der H.Gr. Süd

Solche Alarmeinheiten sind eilig zusammengeraffte Gruppierungen, die man z. B. aus Urlauberzügen, rückwärtigen Einheiten oder sonstwo herausholt, um sie – meist nur für kurze Zeit – an gefährdete Frontabschnitte zu werfen. Sie können Kompanie- bis Bataillonsstärke haben. Wir brauchen hier dringend Verstärkung, denn Kriwoi Rog ist äußerst gefährdet, muss aber dringend gehalten werden, um die Abschnürung der Heeresgruppe Süd zu verhindern. Unsere Kompanien haben aber zum Teil nur noch die halbe Mannschaftsstärke, und Ersatz kommt kaum noch.

Die Alarmeinheit ist da. Ich nehme meinen Wäschebeutel und gehe zum Bataillon hinüber. Hier erfahre ich, dass ich die in der Mitte unseres Bataillonsabschnitts liegende Kompanie ablösen soll.[2] Ich setze mich an die Spitze des zusammengewürfelten Haufens und marschiere in Richtung Front ab. Hinter mir folgt eine lange Schlange von 140 Soldaten. Da es noch hell ist, kann ich nicht einfach den Hang hinunterlaufen. Ich benutze daher einen Laufgraben, der von der Höhe den Hang schräg hinunterführt und in den vorderen Schützengraben mündet. Er ist sehr tief und schützt uns vollständig vor Feindeinsicht. Da es aber in letzter Zeit stark getaut hat, ist das Schmelzwasser in den Graben gelaufen. Ich plansche nun durch Wasserpfützen, stapfe mit lehmüberkrusteten Filzstiefeln durch Schneematsch und sacke durch trügerische Schneepolster, unter denen schon das Wasser steht. Ich sinke bis über die Knie ein, und das Wasser läuft mir oben in die Stiefel. Der Graben ist eng. Stellenweise müssen sich die Landser mit ihrem Gepäck und vollbehängtem Koppelzeug hindurchzwängen, so dass der schmierige, zähe Lehm an ihrem Zeug hängen bleibt.

Was haben wir aber auch nicht alles am Leibe hängen! Koppel mit Brotbeutel, Feldflasche und Kochgeschirr, Spaten und Seitengewehr. Stahlhelm und ••• S. 178 •••Patronentaschen. Decke und Zeltbahn, Gasmaske und Gasplane und dann noch den Karabiner. Für einige noch Fernglas und Kartentasche. Der deutsche Infanterist schleppt zu viel mit sich herum!

Verdammt, ich bin schon wieder in ein Wasserloch gerutscht. Ehe ich das Bein aus dem zähen Schlamm herausziehen kann, ist das Schmelzwasser schon oben in die Filzstiefel gelaufen. Schlimmer kann es nun nicht mehr kommen. Das ist dann der Augenblick , von dem an einem alles egal ist. Das Wasser gluckst in den Stiefeln, mein Mantel ist lehmverschmiert, das Koppelzeug mit Kartentasche verdreckt. Ich bin durchgeschwitzt, denn das Vorarbeiten durch den engen Graben ist mühsam. Den Männern geht es nicht besser. Sie sind ohnehin wütend über diesen Sondereinsatz, der sie von ihren alten Einheiten fernhält. Sie werden wohl grauenhaft fluchen, und sie haben allen Grund dazu.

Endlich haben wir den vorderen Graben erreicht. Auch er ist sehr tief und schmal und ebenso verschlammt. Ich suche den Kompaniegefechtsstand und löse den Kompanieführer ab. Er übergibt mir Stellungsskizze und Feuerplan und unterrichtet mich noch kurz über Feindlage und Kampftätigkeit. Inzwischen haben sich die Züge über den Graben verteilt. Nach und nach kommen die Zugführer und melden die Übernahme ihrer Abschnitte. Es dauert aber alles sehr lange, denn es ist schon völlig dunkel, und das Auffinden der einzelnen Stellungen in dem sehr langen und schwach besetzten Kompanieabschnitt braucht Zeit. Jetzt kommt auch noch der letzte Zugführer zurück. Er ist eigentlich Sanitäts-Oberfeldwebel und avancierte bei dieser schnell zusammengerafften Einheit zum Zugführer. Völlig erschöpft lehnt er sich an einen Stützbalken und schließt für Sekunden die Augen, bevor er seine Meldung machen kann. Und schon wendet er sich wieder zum Gehen. Ein allzu diensteifriger und pflichttreuer Soldat. Er wird sich bei dem ungewohnten und anstrengenden Grabendienst aufreiben, wenn er so weitermacht. Ich werde, wenn ich morgen durch den Graben gehe, mit ihm darüber reden.

Es ist stockfinstere Nacht. Ich habe mich auf die Pritsche meines Bunkers gelegt, um endlich auch etwas zu schlafen, denn ich bin reichlich abgekämpft. Meine völlig durchnässten Stiefel und Socken habe ich an den Ofen gehängt. Wenn Iwan heute nacht angreift, muss ich barfuß hinaus, denn das Zeug kriege ich nicht mehr über die Füße.


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Erfahrungen i.d.Gefangenschaft Bemerkungen z.russ.Mentalität Träume i.d.Gefangenschaft

Personen-Index Namen,Anschriften Personal I.R.477 1940–44 Übersichtskarte (Orte,Wege) Orts-Index Vormarsch-Weg Codenamen der Operationen im Sommer 1942 Mil.Rangordnung 257.Inf.Div. MG-Komp.eines Inf.Batl. Kgf.-Lagerorganisation Kriegstagebücher Allgemeines Zu einzelnen Zeitabschnitten Linkliste Rotkreuzkarte Originalmanuskript Briefe von Kompanie-Angehörigen

  1. Es wurden sowjetische Angriffe erwartet (KTB AOK 6, NARA T-312 Roll 1485 Frame 000759, Roll 1492 Frame 000269), ein möglicher Grund für die rasche Zuweisung einer Verstärkung. Es könnte sich auch um einen Teil der 577 Mann des am 12.02.1944 im Armeebereich eingetroffenen halben Marschbataillons 257/13 gehandelt haben (KTB 6.A., NARA T-312 Roll 1492 Frame 001105).
  2. Gemäß den detaillierten Lagekarten (KTB 6. A., NARA T-312 Roll 1468 Frame 000300/311) bildete ein erst weiter unten Erwähnung findender Hügel (Kurgan), der in der Karte eindeutig identifizierbar ist, bis mindestens zum 16.02.1944 die rechte Grenze des G.R. 477. Nach der Skizze des Autors erstreckte sich der spätere Abschnitt der 10./477, der laut Text mit dem der Alarmeinheit identisch sein soll, vom Kurgan aus nach links und läge damit nicht in der Mitte, sondern am rechten Flügel des III./477; er konnte nur dann als „in der Mitte“ gelten, wenn sich rechts vom Kurgan noch ein Teil des Bataillons befand. Dies ist in der Skizze die 11./477. Die Skizze ist glaubhaft. Die Regimentsgrenze ist also verschoben worden, ohne dass dies in der Lagekarte der Armee vermerkt wurde; ein derartiges Versäumnis ist ebenfalls glaubhaft, da die 257. I.D. augenblicklich nicht im Fokus der Armee lag. Das KTB der 257. I.D., das eine Klärung dieses Widerspruchs zwischen Dokumenten und Erlebnissen ermöglichen würde, ist leider nicht überliefert. – Bei der abzulösenden Kompanie handelte es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um die 11., die möglicherweise gleichzeitig nach rechts über die bisherige Grenze geschoben wurde.