14. Juni 1945

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Editorial 1938 1939 1940 1941 1942 1943 1944 1945 1946 1947 1948 1949 Gefangenschaft Epilog Anhang

Chronik 40–45

Januar Februar März April Mai Juni Juli August September Oktober November Dezember Eine Art Bilanz Gedankensplitter und Betrachtungen Personen Orte Abkürzungen Stichwort-Index Organigramme Literatur Galerie:Fotos,Karten,Dokumente

Chronik 45–49

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31.

Erfahrungen i.d.Gefangenschaft Bemerkungen z.russ.Mentalität Träume i.d.Gefangenschaft

Personen-Index Namen,Anschriften Personal I.R.477 1940–44 Übersichtskarte (Orte,Wege) Orts-Index Vormarsch-Weg Mil.Rangordnung 257.Inf.Div. MG-Komp.eines Inf.Batl. Kgf.-Lagerorganisation Kriegstagebücher Allgemeines Zu einzelnen Zeitabschnitten Linkliste Rotkreuzkarte Originalmanuskript Briefe von Kompanie-Angehörigen

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Windau

GEO & MIL INFO
Windau und vermutliche Lage des Lagers Karte — map Karte — map
26.06.: Gründung der Vereinten Nationen
Vermutliche Lage des Lagers auf einer zeitgenössischen Karte 1:100 000[1]

••• S. 286 •••14.6.45. Ankunft im Offizierslager Windau.[2] Verrottete Erdhütten. Knapp einen Meter tief mit schrägem Bretterdach.[3] Wir bauen sie allmählich aus. Die Verwaltung geht von der Roten Armee auf den NKWD (Innenministerium) über.[4]

Unter uns sind ein katholischer und ein evangelischer Geistlicher,[5] die abwechselnd jeden Sonntag Gottesdienst halten. Empfange die hl. Sakramente. Sonntags tragen wir noch alle unsere Kriegsauszeichnungen. Lettische Frauen bringen uns Brot.[6] Der russische Wachtposten reicht es uns über den Zaun. Andere Posten dagegen bringen die Letten schon zur Wache, wenn sie sich nur mit uns durch den Zaun unterhalten wollten.

Wir marschieren gruppenweise zum Baden in der Windau, schwimmen zum anderen Ufer hinüber, ohne dass der Posten sich rührt.[7] Auf einem dieser Wege begegnet uns eine Frau und schenkt uns eine Tüte Erdbeeren, die sie gerade auf dem Markt gekauft hatte. Die Bevölkerung zeigt große Sympathie für uns.[8] Die Letten hoffen immer noch auf ein Eingreifen Englands zu ihrer Befreiung.

Kurze Ruhrepidemie wird im Keim erstickt. Aber wir bekommen daraufhin wenigstens endlich das oft und dringend verlangte Klo-Papier, nämlich eine ganze Bibliothek religiöse Bücher. Wahrscheinlich hat man sie bei einem Pastor einfach requiriert. Wir suchen uns erst die besten heraus, um sie zu lesen.

Wir bilden Arbeitsgemeinschaften, um die Langeweile zu bekämpfen.[9] Ich halte einen Vortrag über die Entstehung von Gesteins- und Bodenschichten.[10] Wir treiben auch einen lebhaften Tauschhandel mit den draußen arbeitenden Kommandos aus anderen Windauer Lagern. Wir Offiziere arbeiten nicht, laut Genfer Konvention. Ich tausche mir wieder eine komplette Ausrüstung ein mithilfe meiner Zigarettenration, denn ich rauche ja nicht.

Ich trage die Nummer „BP 383“[11] auf dem Rücken meiner Jacke.

Die russischen Posten gehen sehr ungern mit den Holzkommandos in den Wald. Sie fürchten die lettischen Partisanen, die sich in den Wäldern verbergen.

Abends sitzen wir oft in großem Kreis zusammen und singen „Heimat, deine Sterne“.[12]

Der russische Lagerkommandant, ein Leutnant, ist sehr freundlich und lässt uns viel Bewegungsfreiheit im Lager.[13]

In Windau ist noch ein zweites Lager mit unseren Leuten belegt. Der Kontakt wird durch Kassiber und Besuche aufrechterhalten, die uns gelegentlich gestattet werden. Dort ist auch mein letzter Bataillonsführer Dietsch untergebracht. Einen kurzen Ärger bekam ich mit ihm, als er durch eine krumme Machenschaft sich in den Besitz meiner Uhr bringen wollte. Wurde aber schnell und gütlich beigelegt. Der russische Major beanstandete hier die Bilder nackter Mädchen, die sich die Offiziere aus dem Simplicissimus an die Wand geheftet haben.


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Erfahrungen i.d.Gefangenschaft Bemerkungen z.russ.Mentalität Träume i.d.Gefangenschaft

Personen-Index Namen,Anschriften Personal I.R.477 1940–44 Übersichtskarte (Orte,Wege) Orts-Index Vormarsch-Weg Mil.Rangordnung 257.Inf.Div. MG-Komp.eines Inf.Batl. Kgf.-Lagerorganisation Kriegstagebücher Allgemeines Zu einzelnen Zeitabschnitten Linkliste Rotkreuzkarte Originalmanuskript Briefe von Kompanie-Angehörigen

  1. gem. der Beschreibung von Bogg (S. 24–25)
  2. Bogg (S. 22) kam am 15. an.
  3. gem. Bogg (S. 22) „Erdbunkerlager. Zehn Holzhütten, halb in die Erde versenkt“
  4. Bogg (S. 26) erwähnt eine Registrierung der Gefangenen durch das NKWD.
  5. Ob das der junge evangelische Geistliche und Leutnant der Flak-Artillerie ist, über den Bogg (S. 39) aus Salaspils, dem übernächsten Lager.berichtet?
  6. gem. Bogg (S. 23) auch Kuchen
  7. ähnlich bei Bogg (S. 24)
  8. Bogg (S. 23) fand auf dem Einwickelpapier des o. g. Kuchens die Worte „Milais bralins“ – liebe Brüder.
  9. vgl. Bogg S. 23
  10. Der Autor war im Zivilberuf Geographielehrer (siehe auch Fußnote zu diesem Foto).
  11. So im Original. Was wie ein „B“ aussieht, ist ein kyrillisches „W“: ВП, военнопленный, [və(ɪ̯)ɪnːɐˈplʲenːɨɪ̯], Kriegsgefangener.
  12. Auch Bogg (S. 25) erwähnt dieses damals beliebte Lied, Text (Auszug wie im Tagebuch S. 359):
    Heimat, deine Sterne – sie strahlen mir auch am fernen Ort
    Was sie sagen, deute ich ja so gerne – als der Liebe zärtliches Losungswort.
    Tausend Sterne stehen in weiter Runde – von der Liebsten freundlich mir zugesandt
    In der Ferne träum’ ich vom Heimatland
  13. Bogg (S. 23) beschreibt ihn als „etwa 24, hager, aschblond, 1,70 m, Karelier