Donnerstagsvorträge: Unterschied zwischen den Versionen

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Bianca Kurz (1958-2013) war eine Kölner Malerin und Schriftstellerin. Als sie mit elf Jahren wegen einer Blinddarmoperation im Krankenhaus lag, hat sie sich auf zehn Bildern vom Krankenhausleben den Stress von der Seele gemalt. Von da an hat die Kunst sie nicht mehr losgelassen.  
 
Bianca Kurz (1958-2013) war eine Kölner Malerin und Schriftstellerin. Als sie mit elf Jahren wegen einer Blinddarmoperation im Krankenhaus lag, hat sie sich auf zehn Bildern vom Krankenhausleben den Stress von der Seele gemalt. Von da an hat die Kunst sie nicht mehr losgelassen.  

Aktuelle Version vom 19. Mai 2020, 20:01 Uhr

Die Donnerstagsvorträge sind eine Vortragsreihe der Hombrucher Sprach- und Heimatfreunde, in der namhafte externe und interne Referenten und Referentinnen zu verschiedenen historischen und brauchtumskundlichen Themen vortragen.

Hier finden Sie eine Liste aller neueren Vorträge mit Zusammenfassungen. Ältere Beiträge werden noch nachgetragen.

Bisherige Vorträge

Die Zahl in der westfälischen Volksweisheit

Dr. Werner Beckmann, Bochum, 06.09.2018

Mit den Zahlen ist es ähnlich wie mit der Sprache: Das menschliche Wesen kommt ohne sie nicht aus: Die Eins weist auf das Individuum, die Zwei ist in der Natur vielfach vertreten: Paarweise Körperteile wie Augen, Ohren, Hände, Füße, das biologische Paar, das zur Erhaltung der jeweiligen Gattung notwendig ist, die Gegensätze, die paarweise auftreten wie Tag und Nacht, Vater und Mutter, gut und schlecht, klug und dumm. Die Drei ist die Zahl der Absoluten Vollkommenheit: Drei Dimensionen des Ortes: Höhe, Breite, Tiefe; drei Dimensionen der Zeit: Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft; Genese der Familie und damit Sicherung des Fortbestands der jeweiligen Gattung durch Vereinigung des Weiblichen mit dem Männlichen und Geburt der Nachkommenschaft. Die Vier erscheint lokal in den vier Wänden, temporal in den vier Wochen des Monats. Die zehn Finger und die zehn Zehen haben wahrscheinlich grundlegend am Dezimalsystem mitgewirkt. Eine besondere Stellung nimmt die Zahl Zwölf ein: Das Jahr hat zwölf Monate, der Tag hat zwei mal zwölf Stunden. Wird dieser Zwölfer-Ordnung noch eins dazugefügt, so zerbricht diese Ordnung, und es schlägt dreizehn.

Vor allem wie die Zahlen im westfälischen Volksmund verankert sind, soll in diesem Vortrag erörtert und beleuchtet werden Dabei kommt dann auch die westfälische Sprache zur Geltung: das Niederdeutsche (Plattdeutsche).

Bis der Baum brennt: Westfälische Bräuche im Winter

Ralf Konecki, Dortmund, 11.10.2018

„Es ist etwas Schönes … in den alten Bräuchen, schon in der Verknüpfung mit der Vergangenheit, in der Erinnerung an die, welche uns die Sitte überlieferten,“ meinte schon Vinzenz Jakob von Zuccalmaglio, genannt Montanus (1806-1876), und Heinrich Schauerte ergänzte: „Es ist darum der Mühe wert, die Bräuche, die in unserem Sauerland heimisch waren und noch sind, zu sammeln, und das erst recht, weil in den letzten Jahrzehnten infolge … der Fortschritte der Technik … auch hier manche der alten Gewohnheiten geschwunden sind … Gesetzesvorschriften früherer Jahrhunderte haben unter den alten Volksbräuchen Auskehr halten wollen … auch die Osterfeuer sollten in einer materialistisch gerichteten Zeit schon einmal sterben, weil sie Holz verzehrten und feuergefährlich seien … Im Jahre 1717 erging gar für das Herzogtum Berg ein Verbot der Maikönigswahl, weil der Landesherr solch grüne Potentaten nicht neben sich dulden wollte.“ -

Viele Bräuche der Winterhälfte sind heute noch in Westfalen und im Stadtbezirk Hombruch lebendig, andere sind zu unrecht in Vergessenheit geraten. Wir stellen die schönsten Bräuche der Winterhälfte bis zum Osterfest vor. Ein Brauch soll nach dem Vortrag zu neuem Leben erweckt werden. Wer den plattdeutschen Satz nachsprechen kann: „Gilleke leevet nog!“ („Gilleke lebt noch!“) kann dabei mithelfen.

Was war wirklich los in Kalkriese?

Dr. Helmut Förster, Essen, 08.11.2018

Tacitus berichtet in seinen Annalen über die Rachefeldzüge des Germanicus in Germanien. Im Jahre 16 n. Chr. erreicht er mit seinen Legionen auf seinem Rückzug von der Weser zur Ems einen „schmalen Durchlass zwischen Bergwald und Moor“ - am Rande des heutigen Wiehengebirges - das Moor ist inzwischen trockengelegt. Diese unverwechselbare topographische Situation läßt sich so nur in der Gegend um Kalkriese finden. Die engste Stelle (hinweisend der Ort Engter!) ist noch dazu von einem Wall gesperrt - genau wie es Tacitus berichtet. Es ist der Grenzwall zwischen Cheruskern und Angrivariern. Diese waren 16 n. Chr. von Rom abgefallen, um nun gegen Germanicus, Nachfolger und Rächer des besiegten Varus, anzukämpfen.

16 n. Chr. hat sein Rückweg zur Ems ihn wohl zwangsläufig hierhin geführt. Er hatte vorher einen Teil seiner Truppen durch den Wald geschickt, so dass er auch von hinten angreifen konnte, während er selbst „an der Spitze seiner Prätorianerkohorten einen Wall erobert…“ (Tacitus, Annalen II: 19,20). Allerdings nur mit Mühe, denn sein Wagen mit seiner persönlichen Ausrüstung gerät unter den einstürzenden Wall. Ein wohl insgesamt nur knapper Sieg, denn Augustus beruft ihn ab und stoppt alle weiteren Militäraktionen in Germanien. Ein Jahr zuvor hatte Germanicus noch erfolgreich das Varus-Schlachtfeld besucht und „die Überreste von seinen drei Legionen“ in einem Tumulus würdevoll bestattet - expressis verbis auf dem „Campus“ eines noch ziemlich intakten römischen Lagers. („Prima Vari castra“ - das Hauptlager, denn er befehligte genau 3 Legionen). In Kalkriese konnten dies nicht bestätigt werden, dafür fand man die Reste eines großen Trosses, der allerdings gar nicht zu Varus passen kann, denn der hatte seinen Tross bereits am ersten Abend der Schlacht verbrannt (C.Dio).

Unter den Funden in Kalkriese waren auch Schleuderbleie, die ausschließlich nur von Germanicus-Legionären stammen können, ebenso die dazu passenden Legionsbezeichnungen (auf einem Mundblech „LPA - Legio Prima Augusta“, eine eindeutige Germanicus-Legion. Weiterhin belegen die Augurenstäbe (Rangabzeichen eines Oberpriesters) eindeutig die Anwesenheit des Germanicus, denn nur er war Augur im Gegensatz zu Varus! Alles spricht also für eine Schlacht, an dem ausschließlich Germanicuslegionen beteiligt waren. Darum handelt es sich in Kalkriese um ein Schlachtfeld aus der Schlußphase des Rachefeldzuges des Germanicus, am ehesten um die „Schlacht am Angrivarierwall“! Das wirkliche Varus-Schlachtfeld harrt also weiter der Entdeckung.

Hat Hombruch eine vorsächsische Geschichte?

Heribert Reif, Deutsche Dendrologische Gesellschaft, Kamen-Heeren, 29.11.2018

Die Geschichte vom historischen Westfalen (heute nur ein Teil von Nordrhein-Westfalen), und Gebiet entlang des Hellweges, wird allgemein mit der vom Norden eindringenden sächsischen Besiedlungswelle um 360 und dann weitgehend um 700 n. Chr. verstanden. Aber was gab es davor? Bringen uns baumkundliche Untersuchungen in der Kulturverwendung von Bäumen, Antworten auf diese Frage, ob es eine vorsächsische Geschichte gab?

Durch baumkundlich-historische Studien an den romanischen Dorfkirchen in Verne bei Paderborn und Flierich bei Bönen kommt der Referent zu dem Ergebnis, dass die geschichtliche Entwicklung in der Vor- oder Frühkarolingischen Zeit anders verlief als allgemein im Geschichtsverständnis der nordrhein-westfälischen Menschen angenommen und in neueren Kirchenführer und Heimatbüchern veröffentlicht. Darin wird ein viel zu großer Wirkungsgrad den alten Germanen eingeräumt, eine Volksgruppe die wohl kaum so homogen, in einen so großen zugedachten Lebensraum möglich war. Der Referent weist vielmehr nach, dass es nicht nur eine Besiedlung aus dem Norden durch die sogenannten Sachsen gab, sondern, dass eine viel frühere Besiedlung des Hellwegraumes von Aachen bis zum Harz vielmehr aus dem Südwesten erfolgte. Diese These ist besonders beeinflusst durch die Veröffentlichungen von Prof. Eugen Ewig in Paris und Bonn und die Arbeiten von Henry Sutter aus Genf, bzw. die vom Referenten durchgeführten baumkundlichen Studien in der Schweiz und Ostfrankreich. Dieser Vortrag wurde im Juni 2018 im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund vor der Gesellschaft für Archäoastronomie veröffentlicht.

Besonders die Eiche und die Linde, speziell die aus Südosteuropa stammende Sommerlinde sind Indikatoren dieser Siedlungsnachweise, die nicht von den Germanen in unserem Gebiet eingeführt und genutzt wurde, sondern durch die frühe Christianisierung von Ur-Burgund aus, eine Region im heutigen östlichen Frankreich und der französischen sprechenden Westschweiz. Hierbei spielt die Entwicklung der auswandernden Salgermanen, deren neuen Gebiets-Gründungen in Belgien und um Paris. Die daraus entstandenen Franken als frühe Merowinger, in späterer Fusion mit den „Burgundischen Gebieten“ und deren Königstiteln führte dann zur europäischen Klostergründungszeit, dies weit vor den Karolingern mit Karl dem Großen.

Die Verbindung der Linde mit der germanischen Göttin Freya stellt sich als Legende heraus und der Wissenschaft wird empfohlen diese Thesen nicht mehr in Darstellungen zu publizieren und sich nicht von Moderichtungen der Esoterik und falsch verstandenen Baumheilkunde beeinflussen zu lassen.

Bildung für Mädchen? Nein Danke! Widerstände gegen die Mädchenbildung im 19. Jahrhundert

Ein Menschenrechtsthema

Brigitte Leyh, Dortmund, 10.01.2019

Die heutige Gender-Forschung sieht die Ursachen für die Benachteiligung der Frauen in den diskriminierenden gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen Mädchen aufwachsen und berufstätig werden. Die „gläserne Decke“ hindert Frauen oft daran in Leitungspositionen aufzusteigen und mehr Einfluss zu gewinnen. Die Familienarbeit bleibt immer noch in viel zu großem Maße ihr Ressort.

Der Blick in die Geschichte des für die Aufteilung der Geschlechter wichtigen 19. Jh. zu sog. Kennern der „Natur der Frau“ und ihrer „Bestimmung“ wie Goethe und Humboldt - ist sowohl amüsant als auch mehr als aufschlussreich. Die Erinnerung an den damaligen starken männlichen (Experten)Widerstand gegen das Selbstbestimmungsrecht der Frauen soll daran erinnern, wie viel inzwischen erreicht ist. Gleichzeitig dürfte den Zuhörerinnen von 2018 einiges bekannt vorkommen…

Wie spricht Hombruch? Erfassung der sprachlichen Vielfalt im Dialektatlas Mittleres Westdeutschland

Lisa Glaremin, M.A., Institut für Germanistik der RFWU Bonn, 07.02.2019

Hombrucher Stimmen für die Ewigkeit

„Wird in ihrem Ort noch Mundart gesprochen?“ fragt Lisa Glaramin. „Dann würden wir – die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des „Dialektatlas Mittleres Westdeutschland“ - gern mehr darüber erfahren.“ Lisa Glaramin möchte das neue Sprachprojekt vor Ort vorstellen und erläutern. Die regionalen Mundarten sollen erforscht, bewahrt und öffenlicht zugänglich gemacht werden. Das Erhebungsgebiet erstreckt sich über ganz Nordrhein-Westfalen. Im Rahmen des Projekts befragen Sprachforscher der Universitäten Bonn, Münster, Paderborn und Siegen Mundartsprecher in zahlreichen Orten zu ihrer Sprechweise. Die Ergebnisse werden in „sprechenden“ Karten im Internet verfügbar gemacht. So kann jeder Interessierte per Mausklick sehen und hören, wie man wo im Erhebungsgebiet spricht. Rudi Zenses, Jahrgang 1923, aus Wellinghofen ist einer der ersten, der die Befragungen zur Mundart schon erfolgreich beantwortet hat. Seine Stimme wird „quasi für die Ewigkeit“ bald per Mausklick von den nachfolgenden Generationen im Internet zu hören sein. Übrigens: Lisa Glaramin sucht weiterer Mundartsprecher aus dem Dortmunder Süden. Interessierte können die Sprachforscherin, die im Sauerland geboren wurde, beim Vortrag kennenlernen. Sie steht nach dem Vortrag auch für Fragen zur Verfügung.

Der Überfall auf die Marser im Jahr 14 und das Heiligtum der Tanfana

Karl H. Schulze, Heimatforscher, Dortmund, 14.02.2019

Die Göttin Tanfana und ihr verschwundenes Heiligtum

Zum Herbstfest des Jahres 9 n. Chr., ausgerechnet auf des Kaisers Geburtstag, fügten die Germanen unter Führung des Cheruskerfürsten Arminus dem römischen Feldherr Varus in Ostwestfalen eine schwere Niederlage bei. Davon sollte sich Kaiser Augustus nicht mehr erholen. Er verbot den sonst üblichen Rachefeldzug im Folgejahr. Dieser kam erst nach dem Tode des Kaisers im Spätherbst des Jahres 14 n. Chr. zu Stande. Bei ihrem Herbstfest der im heutigen Westfalen siedelnden Marser überraschte Germanicus die feiernden Germanen und ließ wahllos die Gäste töten. Dabei wird das berühmte Heilgtum der Göttin Tanfana dem Erdboden gleichgemacht, wie Tacitus berichtet.

Seit Generationen wird dieses Heiligtum von Heimatfreunden und Archäologen gesucht. Es wird im Westen bei Haltern und Essen, im Osten bei den Bruchhauser Steinen und den Externsteinen vermutet. Dortmunder Presseartikel aus den 1960er und 1970er Jahren zeigen aber, dass viele Heimatforscher das verschwundene Heiligtum an der mitteleren Ruhr im Großraum Dortmund verorten. Neben den Angaben des Tacitus können vor allem archäologische Befunde, Flurnamen, Sagen und andere Überlieferungen weiterhelfen, dieses Rätsel endlich einmal zu lösen.

Die Hombrucher Sprach- und Heimatfreunde haben fünf Referenten eingeladen, die sich im Laufe des Jahres mit dieser Frage beschäftigen. Den Anfang macht der Dortmunder Karl H. Schulze.

Eisenbahnbilder aus Barop

Winfried Schrödter, Eisenbahnfreunde Barop, 14.03.2019

Kurzvortrag im Rahmen des Donnerstagstreffens: Es werden Bilder vom früheren Bahnhof Barop und von vielen Zügen auf der Strecke gezeigt.

Bäume in Mythologie und Kunst

(Ausstellungseröffnung mit Bildern von Bianca Kurz)

Ralf Konecki (Festvortrag) und Winfried Schrödter (Einführung in Leben und Werk der Künstlerin), 11.04.2019

Bianca Kurz (1958-2013) war eine Kölner Malerin und Schriftstellerin. Als sie mit elf Jahren wegen einer Blinddarmoperation im Krankenhaus lag, hat sie sich auf zehn Bildern vom Krankenhausleben den Stress von der Seele gemalt. Von da an hat die Kunst sie nicht mehr losgelassen.

Neben künstlerischen Arbeiten mit verschiedenen Materialien widmete sich Bianca Kurz bevorzugt der Malerei. Dabei malte sie früher überwiegend Aquarelle oder Deckfarben in Aquarell-Technik, die sie meist mit Tusche kombinierte. Im neuen Jahrtausend hatte sie sich der Acrylmalerei zugewandt. Ihr Stil ist dabei oft naiv-fröhlich, häufig expressionistisch-symbolistisch, teilweise aber auch impressionistisch. Ein zentrales Motiv ihrer frühen Schaffensphase war der Baum, der in vielen ihrer Bilder thematisiert wurde.

Im Laufe ihres Künstlerlebens hat Bianca Kurz an zehn Gemeinschaftsausstellungen teilgenommen, die meisten davon mit dem Kölner Malerkreis, und fünf eigene Ausstellungen gezeigt. Diese, die durch freundliches Entgegenkommen der Gastronomie "Zum Muskelkater" ermöglicht wurde, wäre die sechste.

Bianca Kurz hat auch schon früh angefangen zu schreiben. Es begann mit Aufsätzen für die Kinderseite der Tageszeitung. Eine Zeitlang schrieb sie Gedichte, die z. T. veröffentlicht wurden. Ihre Autobiographie konnte sie nicht mehr vollenden.

Wildkräuter, Heilkraft aus der Natur

(mit Beispielen und Proben)

Andrea Hirsch, Waldpädagogin und Kräuterfrau aus Dortmund-Schönau, 09.05.2019 (19 Uhr)

Die existentielle Bedeutung der Kräuter und Wildblumen für Mensch und Tier erlebt derzeit größte Aufmerksamkeit. Auch das Wissen um wilde Heilkräuter ist gefragter denn je. Kräuter spielten bereits in der Antike, aber auch in der westfälischen Jungsteinzeit eine bedeutende Rolle. Manche in Vergessenheit geratene Rezepte und Behandlungsmethoden werden im Lichte der modernen Wissenschaft neu bewertet. Gerade die oft abfällig als Unkraut bezeichneten Kräuter könnten für die Gesundheit des Menschen segensreich wirken. Die Referentin, Waldpädagogin und Kräuterfrau Andrea Hirsch, führt in ihrer unterhaltsamen Art und Weise für jedermann verständlich in die Geheimnisse der Kräuterkunde ein. Dabei dürfen die von ihr vorgezeigten Kräuter mit allen Sinnen wahrgenommen werden, also nicht nur angeschaut, sondern auch berochen und geschmeckt werden.

Pferde im Bergbau

(mit Filmaufnahmen)

Ludwig Bücking, Dortmund-Hombruch, 13.06.2019

Hundert Pferde schuften unter Hombruch

Die Fähigkeit, sich anzupassen und unter härtesten Bedingungen zu arbeiten, ließen das Pferd über Jahrtausende zu einem zuverlässigen, starken Helfer des Menschen werden. Wie die Römer nutzten auch die alten Bergleute in unserer Region Pferde über Tage zum Antrieb von hölzernen Windwerken, um Grubenwasser und Kohlen aus den Schächten zu heben. Bei der schlechten Infrastruktur am Ende des achtzehnten Jahrhunderts gab es zum Packpferd kaum eine Alternative beim Transport der Kohlen zum Verbraucher. Im Ruhrgebiet kamen Pferde erstmals 1853 zum Ziehen von Kohlenwagen auf den Essener Zechen Amalie und Victoria Matthias nach untertage. Bis 1882 hatten 2200 Pferde 15000 Förderleute, die „Schlepper“, ersetzt. Für die Zechenbesitzer hatte der Einsatz der Tiere in vielfacher Hinsicht Vorteile. Pferde waren erheblich leistungsfähiger und billiger als die schwer zu disziplinierenden Schlepper. Alle großen Streiks gingen von Schleppern aus. Diesen jungen, kräftigen, vielfach unverheirateten Männer, die von weither ins Ruhrgebiet kamen, war es egal, nach einem Streit Arbeitsplatz und Wohnung zu verlieren. Fanden sie doch auf anderen Schachtanlagen, wenn nicht in Dortmund, dann eben in Bottrop schnell wieder Arbeit. Die Schachtanlagen mieteten die Grubenpferde bei speziellen Verleihfirmen, da sie keine Fachleute für die Beschaffung und Versorgung bereitstellen wollten. Größter Pferdeverleiher war die Firma Bischoff. Zur Blütezeit standen in ihren Ställen in Gelsenkirchen 6000 Pferde. Beim Studium der Verleihverträge und der Schichtenzettel – Pferde wurden von den Steigern wie Bergleute geführt – sind Parallelen zu den heutigen Zeitarbeitsfirmen unübersehbar. Kleine leistungsfähige Lokomotiven begannen nach dem Ersten Weltkrieg die Grubenpferde zu verdrängen. 1905 arbeiteten unter Hombruch mehr als hundert Pferde; die letzten fünf wurden 1955 auf der Zeche Gottessegen in Pension geschickt.

Mit Hilfe von Filmen, Bildern und Grafiken zeichnet der Vortrag die Geschichte der Grubenpferde und ihren Alltag unter Tage nach.

Plattdeutsches Liedgut

Dr. Werner Beckmann, Mundartarchiv Sauerland, 11.07.2019

Früher, als das Singen in den Schulen noch regelmäßig gepflegt wurde, lernte man zahlreiche deutsche Volkslieder kennen – natürlich in hochdeutscher Sprache. Aber auch in niederdeutscher Sprache – also im Plattdeutschen - gibt es zahlreiche Lieder, die teilweise auch in hochdeutscher Übertragung allgemein bekannt geworden sind. Eines der berühmtesten Lieder davon ist „Ännchen von Tharau“, das ursprünglich als Liebeslied von einem Simon vom Dach in Ostpreußen in seiner Mundart gedichtet wurde: „Anke von Tharaw öß de my geföllt“. Vor allem Lieder lustigen Inhalt sind bis heute erhalten, so „O Hannes, wat en Haut“ (O Johannes, was für ein Hut), oder „Wann hier en Pott met Bauhnen stäiht“ (Wenn hier ein Topf mit Bohnen steht). Viele plattdeutsche Lieder stammen aus dem Norden Deutschlands, sind aber im gesamten niederdeutschen Sprachraum bekannt geworden, so der „Burlala“ oder „Greitken, komm doch maol an’t Finster“ (Grete, komm doch mal als Fenster). Besondere Beachtung verdienen die Brauchtums- und Kinderlieder, von denen im niederdeutschen Sprachraum viele existieren.

Nicht zu vergessen sind auch Trink- und Scherzlieder, die manchmal recht derb ausfallen.

Weil das Plattdeutsche als lebendige Umgangssprache immer mehr zurückgeht, wird auch deren Liedgut immer weniger bekannt sein. Dieses Liedgut an ausgewählten Beispielen (wieder) bekannt zu machen, ist das Ziel des Vortrags.

Wo lag das Heiligtum der Tanfana?

Offene Gesprächsrunde

Ralf Konecki, Dortmund, 12.09.2019

Wie alte Presseberichte zeigen, haben Generationen von Dortmunder Heimatfreunden sich mit der Frage nach dem Ort des rätselhaften westfälischen Heiligtums der Göttin Tanfana/Tamfana beschäftigt. In einem Kurzvortrag wird die einzige Quelle vorgestellt und von Fachleuten und interessierten Zuhörern diskutiert.

Ein neues augusteisches Marschlager bei Bielefeld

Dr. Bettina Tremmel, 10.10.2019

Die Vortragende ist Archäologin und wissenschaftliche Referentin für provinzialrömische Archäologie beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe in Münster. Sie leitet unter anderem die aktuelle Ausgrabung des neu entdeckten römischen Marschlagers bei Bielefeld. Die Entdeckung ergab sich, wie zuvor auch beim neu entdeckten Lager in Olfen, aus einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen interessierten Laienforschern und der zuständigen Archäologie. Die Bedeutung der wissenschaftlich erfassten neuen Lager liegt darin, dass damit das westfälische Wegenetz der Römer zur augusteischen Zeit, also um die Zeitenwende, ergänzt und nun zuverlässiger rekonstruiert werden kann. Mit einer verbesserten archäologisch begründeten Ausgangslage lassen sich auch die von Tacitus beschriebenen Heerzüge des Germanicus zwischen 14-16 n. Chr. genauer überprüfen und gegebenenfalls korrigieren. Denn immerhin zerstörte der römische Feldherr im Jahre 14 das rätselhafte Heiligtum der Göttin Tamfana und besuchte im Jahre 15 das Schlachtfeld der Varusniederlage.

Pressemitteilung zum Thema

Mitglieder der Hombrucher Sprach- und Heimatfreunde besuchten Dr. Bettina Tremmel bereits am 21. September 2017 in Haltern anläßlich der Ausstellung „Triumph ohne Sieg“ und hatten sich vor Ort von ihr auf den neuesten Stand der Ausgrabung des Lagers in Haltern bringen lassen. Dazu gibt es hier einen Bericht.

Zur Entstehung der mittelalterlichen Waldweide - Gab es vor den "Alten Wegen" im Hellwegraum die Transhumance?

Heribert Reif, 14.11.2019

Der Kontakt alter Völker und ihrer Wanderungen, außer der Benutzung der Meere und Flüsse, muss über den Landbereich erfolgt sein, aber wie stellen wir uns diese frühe Form vor und welche Beweise gibt es zu solchen Annahmen!  Bewegungen in südliche Regionen über Trier, Köln, Bonn u. anderen Orten, quer durch das Sauerland, vielleicht entlang der Täler der Königsstraße in Richtung Brilon, Paderborn und weiter nach Norden, könnte eine Folge der „Transhumance“ von Hirtenvölkern sein, die mit Ihren Viehherden jahreszeitlich wechselten, um ausreichende Nahrung für die Tiere zu erhalten und um eine im Winter möglichst frostfreie Überwinterung im Süden zu erreichen. Dazu bedurfte es einer Orientierung mittels landschaftlicher Marken oder auch der Orientierung mit Hilfe des Sternenhimmels.

Vertiefende Hinweise zum Gedanken der Transhumance

Noch in unserer jüngeren Zeit beschlossen häufig zu Michaelis oder Michaeli am 29. September die Lehenträger mit ihren Bauern oder Hirten das Wirtschaftsjahr, was später auf den 11. November zu St. Martin verschoben wurde, wobei dadurch der gebende und teilende Anspruch im Reichtum der Ernte wichtig wurde. Westlich des italienischen Lago Maggiore, am Lago d’Órta (Ortasee), trafen sich 11.November auf der Insel St.Julien, die mittelalterlichen  Walser-Hirten, um die neuen Weiderechte unterschiedlicher Gebiete zu verhandeln, ein Hinweis auf die frühere Transhumance von Gebieten nördlich der Alpen zu den Weideflächen der Südalpen und der vorgelagerten Po-Ebene.

Bei Wernicke reichen diese Spuren einer Transhumance bis in die Keltenzeit zurück! Historischen Hirtengruppen waren die Bildungsspitzen dieser alten Zeiten, waren astronomisch geschult wie ein Kapitän auf hoher See und konnten sich orientieren, immer auf der Suche nach neuen Futterplätzen für ihre riesigen Herden. Diese Hirtenwanderungen nennt man Transhumance – die friedliche Wanderung über Grenzen ohne Waffen und Kriege.

Sie wurde sicherlich auch hier in Westfalen bis in Gebiete von Südfrankreich,  über die Alpen, oder entlang der Donau nach Ungarn oder über den Balkan betrieben. Heute ist die Transhumance nur noch mit Schafherden in Spanien und Italien bekannt, oder wird als Teil des herbstlichen Auf- und Abtriebes der Kühe und Pferde in den Alpen betrieben. Ca. 1900 wurden noch Rinder von Franken (Nürnberg) in Richtung   Donau, über das Wiener Becken nach Ungarn getrieben (Quelle Palmüller). Viele der jungen Hirten blieben nach Ende diese Touren in Ungarn wohnen und wurden 1945 wie alle Reichsdeutschen vertrieben. Um 1900 trieben auch italienische Hirten Schafherden über die Hochebenen der Abruzzen  (Quelle: Familie Silla; Scanno). Meiner Meinung nach sind Landschaften in Deutschland, die noch um 1945 ziemlich baumlose Hochflächen darstellten, alte Sammelplätze von Hirtenvölkern (Rhön, Haarhöhe bis Paderborn, Eifel, Schwäbische Alb, alle Regionen mit der Namensendung wie Fränkische-, Holsteinische-Schweiz usw.! Dazu gehörte meiner Meinung nach als Ur-Länder der modernen Grünlandnutzung durch Viehhaltung, besonders die Provinz Bergamo in Oberitalien oder die Schweiz selbst mit versch. Bundesländern. Hierzu könnten die Orte Büren, Beuron usw. eventuell Hinweise für Forschungsmöglichkeiten in Europa geben. Sicher ist, dass die Kelten ihre Räderkarren nicht benutzen konnten und es keine Römerstraßen gegeben hätte, wenn nicht die ständig wandernden Hirtenvölker diese Trassen vorbereitet hätten, auf denen dann die Kulturen sich austauschten und der Handel und militärische Bewegungen begannen! Auf diesen Routen kamen aus Asien über die Seidenstraße, nicht nur die Einflüsse fremder Naturreligionen nach Europa, sondern auch das Wissen über die Klosterbaukunst in das gallo-romanische alte Frankenreich. Unter diesem galloromanischen, katholischen Glauben entwickelte sich die Verwendung der großblättrigen Sommerlinde, die ähnlich wie der Pipalbaum (Ficus religiosa) im Buddismus, lang ausgezogene Blattspitzen als Träufelspitzen besitzen. Wir finden alte Sommerlinden innerhalb der Kultur nur vom Menschen angepflanzt, als Relikte des katholischen Christentums, welches sich besonders in Anatolien, Armenien und Georgien entwickelte und auf den Hirten- und Handelsrouten nach Westeuropa gelangte.

Quellen und Literatur

  • TBK = Taschenbücher des Kohlhammer/Urban Verlages, Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz
  • Siehe zur Transhumance die Webseite mit Karten: Bernhard Schwade, © 2014 (http://www.altwege.de/roemer-und-kelten/hellwege.html)
  • Suter, Henry: http://henrysuter.ch/glossaires/topoK0.html, Webseite, Genf 2000–2009.
  • Wernicke, Ingolf: Die Kelten in Italien – Die Einwanderungen und die frühen Handelsbeziehungen zu den Etruskern. Stuttgart: Steiner (Palingesia; Bd. 33) 1991, Transhumance als Ursache der Kelteneinwanderung, S. 140–163.

Aktuell angekündigte Vorträge

siehe auch Terminkalender

Randsportart, na und? Deutscher Meister, Europameister, Weltmeister

Udo Berns, Hombruch, 23. Januar 2020

im Rahmen des Projekts Bekannte Sportler im Stadtbezirk Hombruch

Erinnerung an Erich Konecki (1920-2005) zum 100sten Geburtstag

Ralf Konecki, Löttringhausen, 6. Februar 2020

[mit Ausstellung vom 8. bis 16. Februar 2020 in der Küster-Passage, Harkortstraße am Markt – Eröffnung am 8. Februar 2020 um 11 Uhr]

im Rahmen des Projekts Bekannte Sportler im Stadtbezirk Hombruch

Stars und Sterne aus Hombruch

Gerd Kolbe, Holzwickede, 12. März 2020

im Rahmen des Projekts Bekannte Sportler im Stadtbezirk Hombruch

Dem Ruhrgebiet seine Sprache(n). Zum Nebeneinander von Platt und Ruhrdeutsch.

Lisa Glaremin, Universität Bonn, 9. April 2020

Varusforschung auf neuen Wegen?

Dr. Wilhelm Förster, Essen, 14. Mai 2020

Aliso und die Germanen - Ein Streitgespräch

Offene Gesprächsrunde

11. Juni 2020