Infanterie-Taktik

Aus Westmärker Wiki
Version vom 1. Dezember 2020, 13:36 Uhr von Ahnenfan (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Infantry Tactics
De.png Gb.png
Da der Autor Zugführer einer Maschinengewehr-Kompanie (MGK) war, machte er in seinem Tagebuch viele Anmerkungen zu Taktik und Zusammenarbeit auf der Ebene des Infanterie-Bataillons.

Diese Tabelle zeigt die typische Organisation anhand der Zahl "3":

  • 3 Infanterie-Regimenter in einer Infanterie-Division,
  • 3 Infanterie-Bataillone in einem Infanterie-Regiment,
  • 3 Schützen-Kompanien in einem Infanterie-Bataillon.

Dse weiteren

  • 3 Maschinengewehr-Züge in einer MG-Kompanie (der 4., 8. und 12. (MG) Kompanie jedes Infanterie-Regiments),
  • 3 Mörsergruppen im Granatwerfer-Zug der MG-Kompanie.

Es ist, wie es aussieht: Jede Schützen-Kompanie wurde von einem MG-Zug und einer Granatwerfer-Gruppe unterstützt. Der Gefechtsstand des Chefs oder Führers der Maschinengewehr-Kompanie wurde stets in der Nähe des Bataillons-Gefechtsstands eingerichtet.

Jedes Infanterie-Regiment hatte eine 13. (IG, Infanteriegeschütz) und 14. (Panzerjäger) Kompanie, um im Einsatz Schwerpunkte zu bilden.

Außerdem wurde jedes Infanterie-Regiment von einer der 3 Feldartillerie-Abteilungen des Divisions-Artillerie-Regiments unterstützt.

Dies ist natürlich nur ein Schema, das der konkreten Gefechtssituation angepasst wurde.

As the author was platoon commander of a weapons company he made many remarks on tactics and co-operation on infantry batallion level in his diary.

This table shows the typical organisation based on the numer "3":

  • 3 Inf Rgts in an Inf Div,
  • 3 Inf Bns in an Inf Rgt,
  • 3 Rifle Coys in an Inf Bn.

Then,

  • 3 Machine Gun Platoons in the Weapons Coy (the 4th, 8th and 12th (MG, Maschinengewehr, Machine Gun) Coy of each Rgt),
  • 3 Mortar Groups in the Mortar Platoon of the Weapons Coy.

It is as it looks like: Every Rifle Coy was supported by an MG Platoon and a Mortar Group. The tactical position of the Weapons Coy Cdr was close to the Bn HQ.

Every Inf Rgt had a 13th (IG, Infanteriegeschütz, Inf Cannon) and 14th (Panzerjäger, Tank Hunter) Coy to form points of main effort.

Furthermore, every Inf Rgt was supported by one of the 3 Field Arty Bns of the divisional Arty Rgt.

Of course this is a scheme to be employed with a grain of salt if it comes to a battle situation.

Die MGs der MGK waren oft bei den Schützen (in denselben Schützengräben, falls es solche gab) oder in einer zweiten Linie positioniert, und die Mörser in einer zweiten Linie 50 m oder mehr dahinter. Hier einige Originalbeschreibungen: The MGs of the Weapons Coy were often positioned alongside the Rifle men (in the same trenches if there were such) or in a second line, and the Mortars in a second line 50m or more to the rear. Here some original descriptions:
Ende 1941 (Donez bei Isyum):

Gestern habe ich die Granatwerferstellungen besucht, die ich am Hinterhang des Berghanges angelegt habe. Heute gehe ich über den gewaltigen breiten Rücken des langgestreckten Hanges zu meinen MG-Stützpunkten. Ein eisiger Wind pfeift über die Höhe. Die MG-Stellungen sind so weit vorgeschoben, dass sie einen großen Teil des Doneztales einsehen können. Schräg unter uns liegt es. Ein kilometerbreites Tal, eine weite Ebene mit ausgedehnten Wäldern. Links in der Ferne liegt Isjum in einer grossen Flussschlinge des Donez.

End 1941 (Donez near Isyum)

Yesterday I visited the mortar positions I made on the back slope of the mountain. Today I walk over the huge wide ridge of the long slope to my MG bases. An icy wind whistles over the height. The MG positions are so far advanced that they can look into a large part of the Donez valley. It lies diagonally below us. A valley kilometres of breadth, a wide plain with extended forests. To the left in the distance Isjum is lying in a large loop of the Donez river.

Sommer 1943 (Donez westlich Isyum):

Die Stellungen der Schützenkompanien liegen vorwiegend unten am Fluss, am unteren Dorfrand am Fuß des Hanges. Die schweren Waffen der MG-Kompanie bilden eine zweite Linie in halber Höhe des Hanges mitten durch das Dorf. Die Stellungen meiner Werfer sind über das ganze Dorf verteilt. Die kreisrunden, brusttiefen Löcher der Feuerstellungen sind in den Gärten hinter den Häusern ausgehoben. Die Bedienungen wohnen wie üblich in den Häusern bei den Russen. Hinter dieser zweiten Linie befindet sich noch andeutungsweise eine dritte Linie mit einigen Pak-Stellungen. [...] 18.7.43. Für meine Granatwerferstellungen habe ich mir eine Heckenreihe ausgesucht, die vom Schützengraben aus schräg nach hinten verläuft. In der Hecke befinden sich schon einige Erdbunker. Wir brauchen nur noch die Löcher für die Feuerstellungen auszuheben. Meine Gruppen gehen mit Feuereifer an die Arbeit, denn bis zum Morgengrauen müssen sie fertig sein. Die Hecke ist drei Meter breit und ebenso hoch. Zwanzig Meter vor mir bezieht der Bataillonsführer mit seinem Stab einen Unterstand.

Summer 1943 (Donez west of Isyum)

The positions of the rifle companies are mainly down by the river, on the lower edge of the village at the foot of the slope. The heavy weapons of the MG company form a second line halfway up the slope in the middle of the village. The positions of my mortars are spread all over the village. The circular, chest-deep holes of the firing positions are dug in the gardens behind the houses. The crew live in the houses with the Russians as usual. Behind this second line there is a third line with some Pak positions. [...] 18.7.43. For my mortar positions I have chosen a row of hedges which runs diagonally backwards from the trench. In the hedge there are already some earth bunkers. We only have to dig the holes for the firing positions. My groups go to work at a white heat because they have to be ready by dawn. The hedge is three metres wide and just as high. Twenty metres in front of me, the battalion commander and his staff move into a shelter.

Dezember 1943/Jan 1944 (nördlich Nikopol):

Die Werferstellung liegt fünfzig Meter hinter der HKL. [...] Diese Entfernungen! Ich muss einen Kilometer laufen, bis ich die HKL überhaupt erst einmal erreicht habe. Die Kompanieabschnitte sind wiederum einen Kilometer breit. Einige MG- und Werferstellungen liegen etwas hinter der HKL und bilden, punktartig, eine angedeutete zweite Linie. Und hier soll ich nachts auf dieser einförmigen, tischebenen, verschneiten Fläche die weit auseinanderliegenden Stellungen finden! Es ist nicht ungefährlich, denn bei den weiten Entfernungen merkt man kaum, dass man dreihundert Meter zu weit gegangen ist und sich bereits zwischen oder gar hinter den russischen Stellungen befindet.

So laufe ich immer im Zickzack zwischen den Stellungen der ersten und zweiten Linie hin und her. Heute habe ich meinen Kontrollgang beim linken Flügel des Bataillonsabschnitts begonnen. Hier liegt ein sMG-Nest an einer Heckenreihe und eine Werferstellung hundert Meter dahinter in einer kleinen Senke. Im selben Zugabschnitt liegt ein weiteres sMG, das die Heckenreihe flankierend schützt. Die Naht muss stark sein! Die Stellungen sind gut ausgebaut und zum Teil sogar verdrahtet. Die Bunker sind alle ordentlich eingerichtet und meist heizbar. [...] Rings um den [Bataillons-] Kommandeursbunker wird fleißig geschanzt. Der IG-Zug hebt Stellungen für seine Geschütze aus. Sie liegen als halbkreisförrniger Sicherungsring um den Kommandeursbunker. Das schwere IG (15 cm) steht direkt neben dem Kommandeursbunker.

Heute abend war ich auf dem rechten Flügel unseres Bataillonsabschnitts, auf dem sich noch drei Stellungen meiner Kompanie befinden, eine sMG- und zwei Granatwerferstellungen.

Dec 1943/Jan 1944 (north of Nikopol)

The mortar position is fifty metres behind the main battle line. [...] These distances! I have to walk one kilometre before I even reach the main battle line. The company sections are again one kilometre wide. Some of the machine gun and mortar emplacements are a little behind the main battle line and form a second line in the form of dots. And this is where I am supposed to find the positions, far apart from each other, on this monotonous, snow-covered, table-like area at night! It is not without danger, because with the long distances you hardly notice that you have gone three hundred metres too far and are already between or even behind the Russian positions.

So I always walk back and forth in zigzag between the positions of the first and second line. Today I started my patrol at the left wing of the battalion section. Here there is a sMG nest on a row of hedges and a mortar position a hundred meters behind it in a small depression. In the same section of the platoon there is another heavy MG flanking the row of hedges. The seam must be strong! The positions are well constructed and partly even wired. The bunkers are all neatly furnished and mostly heatable. [...] Surrounding the [Battalion] Commander's bunker they are digging diligently. The Infantry Gun Platoon excavates positions for its guns. They lie as a semicircular safety ring around the commanders bunker. The heavy infantry gun (15 cms) stands right beside the commander's bunker.

Tonight I was on the right wing of our battalion section, where there are another three positions of my company, one heavy MG and two mortars.

Januar/Februar 1944 (nördlich Kriwoi Rog):

Mein Bunker liegt in der Nähe des Bataillons­gefechts­standes. Er ist niedrig und etwas eng, aber warm. Wenn ich mich von meiner Pritsche erhebe, stoße ich schon an den kleinen Tisch, der dicht am Bettrand auf einem Stempel steht. Da es hier in der Ecke etwas dunkel ist, habe ich meinen Spiegel so an dem Stützbalken befestigt, dass er das Licht von dem kleinen Fenster auf den Tisch reflektiert. [...] Meine vier Werferstellungen (ich habe nur noch vier Werfer, eigentlich müssten es sechs sein) liegen alle in der Nähe des Bataillonsgefechtsstandes, wo auch der Regimentskommandeur zur Zeit einen Bunker bewohnt. Die Feuerstellungen sind alle in Ordnung. Der Zugführer ist mit meinem Kompaniegefechtsstand durch eine Leitung verbunden. Außerdem hat er noch eine weitere Leitung zu einer der vier Feuerstellungen. Die anderen sind durch eine Ruferkette verbunden, die eine Verständigung sicherstellt. Nachdem ich alles noch einmal überprüft habe, und der Zugführer, Feldwebel Grodzicki, mir wiederholt versichert, dass alles einsatzbereit ist, gehe ich zum Bunker des Regimentskommandeurs, um meine Vollzugsmeldung zu machen. [...] Ich stehe bei einer meiner MG-Stellungen und überblicke von hier aus die ganze Front. Vor mir zieht sich von rechts nach links eine Talmulde hin, die nach links hin immer tiefer wird, so dass auch die Hänge immer steiler werden. Das Tal ist etwa sechshundert Meter breit. Unsere Frontlinien verlaufen in derselben Richtung wie das Tal. Wir haben hier zwei Stellungslinien. Drüben auf dem jenseitigen Talhang – zum Feind hin – verläuft die erste Linie, die von den Schützenkompanien besetzt ist. Es ist eine Hinterhangstellung, d. h. sie verläuft hinter dem Kamm des Hanges. Das hat den Vorteil, dass der Feind die Stellung nicht einsehen oder direkt beschießen kann; und den Nachteil, dass man selbst den Feind ebenfalls erst sehen kann, wenn er über den Kamm kommt. Die zweite Linie läuft auf dem diesseitigen Hang entlang, und zwar am vorderen Rand. Sie liegt höher als die vordere Linie, so dass wir weiter sehen und unser Feuer, die vordere Linie überschießend, auch vor deren Stellungen legen können. Allerdings kann auch der Russe diese zweite Linie sehen. Die Heckenreihe hier oben, in der einige meiner MG-Nester liegen, bildet auch keinen Schutz. Sie erleichtert den Russen höchstens die Zielansprache. Die zweite Linie ist von sMG‘s und Werfern meiner Kompanie und zwei Geschützen der 13. (IG-) Kompanie besetzt.

Jan/Feb 1944 (north of Kriwoi Rog)

My bunker is near the battalion command post. It is low and a bit narrow, but warm. When I get up from my bunk, I already bump into the small table, which stands on a stamp close to the edge of the bed. Since it is a little dark in the corner here, I have attached my mirror to the supporting beam in such a way that it reflects the light from the small window onto the table. [...] My four mortar positions (I only have four mortars left, actually there should be six) are all located near the battalion command post, where the regiment commander also lives in a bunker at the moment. The fire positions are all in order. The platoon commander is connected to my company command post by a conductor. He also has another conductor to one of the four firing positions. The others are connected by a chain of callers, which ensures communication. After I have rechecked everything and the platoon leader, Sergeant Grodzicki, repeatedly assures me that everything is ready for action, I go to the Regiment Commander's bunker to make my implementation report. [...] I am standing by one of my machine gun positions and from here I have a view of the entire front. In front of me, from right to left, there is a valley which gets deeper and deeper to the left, so that the slopes get steeper and steeper. The valley is about six hundred metres wide. Our front lines run in the same direction as the valley. We have two lines of positions here. Over on the other side of the valley – towards the enemy – is the first line occupied by the rifle companies. It is a back slope position, i.e. it is running behind the ridge of the slope. This has the advantage that the enemy cannot see the positions or fire directly at it; and the disadvantage that the enemy can also only be seen as soon as he comes over the ridge. The second line runs along the slope on this side, at the outer edge. It is higher than the front line, so that we can see further and can lay our fire in front of the front line's positions. However, the Russian can also see this second line. The row of hedges up here, in which some of my machine gun nests are located, does not provide any protection either. At most it makes it easier for the Russians to approach the target. The second line is occupied by heavy MG's and mortars of my company and two guns of the 13th (Inf Gun) Company.

1944/45 in Kurland

Als Korps-MG-Bataillon ist es eigentlich unsere taktische Aufgabe, mit unserer massierten Feuerkraft an Brennpunkten des Kampfes eingesetzt zu werden. Da aber die Fronttruppen der vordersten Linie infolge hoher Verluste stark zusammengeschmolzen sind, hat man unser Bataillon aufgeteilt und kompanieweise anderen Einheiten unterstellt. Ich gehöre jetzt mit meiner Kompanie zu einem Bataillon, dessen Kommandeur ein saugrober Bayer ist. Aber auch in diesem Bataillonsabschnitt bilden wir mit unseren schweren Waffen nicht etwa eine zweite Linie (wie es eigentlich sein sollte, aber im ganzen Krieg nur selten der Fall war), sondern sind wie die Schützenkompanien vorn im Graben eingesetzt. Die HKL ist auf diese Weise zwar gut besetzt, aber hinter uns ist außer Pak und Artillerie nichts mehr. Der einzige Vorteil für mich ist, dass ich meine Kompanie geschlossen zusammen habe und mit ihr einen eigenen Abschnitt verteidige.

Da haben wir nun auf Kursen und Lehrgängen immer von der Tiefenstaffelung der Front durch eine netzartige Anlage von Verteidigungsstellungen gehört, aber hier draußen gibt es fast immer nur eine Linie, die entweder aus einem durchgehenden Graben oder einer Kette von Einzelstellungen und Schützenlöchern besteht. Seit langem ist diese Linie dann auch noch erschreckend schwach besetzt. Ich selbst habe einmal – das war mein krassester Fall – mit meiner 45 Mann starken Kompanie (das ist ein Viertel der Sollstärke!) einen Abschnitt verteidigt, der normal mit 180 Mann besetzt sein müsste. Ich weiß, dass es aus Mangel an Soldaten immer nur zu einer dünnen Linie reicht, aber hier in Jurmalciems könnte man eine zweite Linie aufbauen. Wir könnten die Wirkung unserer schweren Waffen besser zur Geltung bringen, die Feuerkraft des Gegners würde geteilt und zersplittert, und der Angreifer würde selbst nach Durchstoßen der ersten Linie immer noch vor einer zweiten stehen. So aber kann der Iwan sein massiertes Feuer auf eine Linie konzentrieren. Aber ich bin kein Heerführer. Lass’ sie also machen.

1944/45 in Courland

As a Corps Machine Gun Battalion, it is actually our tactical task to be deployed with our massive firepower at hot spots of the battle. However, as the front line troops have melted down due to high losses, our battalion has been divided up and attached to other units company by company. With my company I now belong to a battalion whose commander is an uncouth Bavarian. But even in this part of the battalion we do not form a second line with our heavy weapons (as it should be, but was seldom the case throughout the war), but are deployed like the rifle companies at the front of the trench. In this way the main battle line is well manned, but behind us there is nothing but Pak and artillery. The only advantage for me is that I have my company en bloc and defending my own section.

In classes and training courses we have always heard about the echelonment in depth of the front by a net-like arrangement of defensive positions, but out here there is almost always only one line, which consists either of a continuous trench or a chain of individual positions and foxholes. For a long time now, this line has also been terribly weak. Once – and this was my most blatant case – with my 45-man company (that's a quarter of the authorized strength!) I defended a section that would normally have to be manned with 180 men. I know that due to a lack of soldiers there is always only a thin line, but here in Jurmalciems a second line could be built. We would be able to bring off our heavy weapons, the enemy's firepower would be divided and fragmented, and the attacker would still be facing a second line even after the first one had been broken through. But now the Ivan can concentrate his massive fire on one line. But I am not an army commander. So let'em see to it.

Weblinks

Fußnoten — Footnotes

  1. 1,0 1,1 courtesy of George McEwan, [https://www.facebook.com/groups/410842952633645 Eastern Front Research Forum on Facebook