Renninghausen: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 12. August 2016, 16:18 Uhr

Die „Rudolf-Heß Siedlung „ in Dortmund Renninghausen.

Einleitung [[1]][Renninghausen] ist ein Dortmunder Stadtteil im Stadtbezirk Hombruch.

Der Stadtteil findet sich südlich des Waldgebietes Bolmke und besteht aus einer alten bäuerlichen Siedlung und zum Großteil aus einer zu Zeiten des Nationalsozialismus erbauten Großsiedlung. Deren ursprünglicher Name war "Rudolf-Heß-Siedlung". (Süd-Ost Siedlung)

Renninghausen war eine kleine bäuerliche Siedlung, welche eingegrenzt wurde durch die Baroper Heide, den Hombrucher Wald und den Ländereien des Ortes Brünninghausen des [[2]] Freiherrn von Romberg. Heute befindet hier sich das Schulzentrum Renninghausen mit der Schubert-Grundschule, der ehemaligen Hauptschule Renninghausen, der Robert-Koch-Realschule und dem Helene-Lange-Gymnasium, sowie die Sekundarstufe II (gymnasiale Oberstufe) der Gesamtschule Brünninghausen; ebenso befinden sich dort kommunale und kirchliche Kindertagesstätten. Hohen Freizeitwert haben die Bolmke sowie der Schulten Hof die Gartenanlagen „Goldener Erntekranz" "Heideblick" und zur Quelle. Diese um 1950 gegründeten Gartenanlagen sind ein fester Bestandteil für einen erholsamen Spaziergang Die Bolmke und die nähere Umgebung ist außerdem sehr beliebt bei Spaziergängern, Fahrradfahrern und Sportlern wie zum Beispiel Joggern oder Nordic Walkern, die zu einem Teil auch von außerhalb mit Bus, Auto und anderen Transportmitteln anreisen, um die Bolmke als Erholungsgebiet zu nutzen. Lange wurde die Bolmke auch als Strecke für Cross-Radfahren genutzt, jedoch ist die Strecke auf behördliche Anordnung hin zerstört worden. Seit einigen Jahren ist die Bolmke Naturschutzgebiet.

Die Planung In den Jahren 1938/39 erlebte Hombruch eine aktive Bautätigkeit welche zur Verbesserung des Wohnraumes führen sollte. Hombruch war dabei nur ein Baustein in einem Plan welcher zum Ziel hatte eine Süd-West Siedlung innerhalb von Dortmund zu errichten. In Hombruch sollten alleine 4500 neue Wohnungen entstehen. Dieser von den Nationalsozialisten ausgeführte Plan hatte eine reine politische Zielsetzung.

Jeder „Arbeiter“ sollte nah seiner Arbeitsstätte wohnen und leben und das bei einem gehobenen Wohnungsstandart. Aber es gab noch einen weiteren politischen Hintergrund. Mit diesen Mustersiedlungen wollte man die Ballung von Arbeiter verhindern, da diese nach Auffassung der Nationalsozialisten leicht vom Marxismus beeinflusst werden konnten. Also wurde diese Siedlung für alle „geöffnet. Hier sollte der Beamte, der Kaufmann, der Handwerker also alle Schichten des Volkes wohnen, in Wohnungen die schöner, hygienischer als die anderen Wohnungen in Hombruch waren.

Zu dieser Zeit hatten noch ein Großteil der Hombrucher Mietwohnungen das „Plumps Klosett“ im Hof Ein weiteres Ergebnis dieser Süd West Ausrichtung war die Streichung der Ausbaupläne des Dortmunder Norden, also eines gewachsenen Siedlungsraumes mit der Begründung das der Dortmunder Norden ein Bergschadengebiet ist. Dies mag zum Teil stimmen aber die Situation war in dem Süd-West Bereich nicht besser. Dem Proletariat gehörte der Norden dem Besitzenden der Dortmunder Süden. Bedrängte Wohnverhältnisse sorgten für eine Abwanderung und damit zu einer Verelendung des Dortmunder Norden. Dies kam den Machthaber gelegen da die Ansammlung von Arbeiter, anfällig für die Lehren des Marxismus war. Trotz aktiver Bautätigkeit in Dortmund fehlten 1939 über 20000 Wohnungen ( Westfälische Landeszeitung Febr.1939

Datei:P1070507 (2).JPG Hier sieht man die geplante Süd-West Siedlung von Dorstfeld bis Hörde

Würden auf dieser Zeichnung die Industrieanlagen eingezeichnet könnte man deutlich erkenne das der Weg zu diesen Arbeitsstätten sehr kurz war. Allerdings wurde bei dieser Planung nicht berücksichtig das einige Industriebereiche rückläufig waren und eine Blütezeit nur noch durch den anstehenden Krieg hatten.


Die Politik

Bau und Siedlungsbaupolitik im Nationalsozialismus

Der soziale Wohnungsbau im III. Reich wurde vor allem unterschieden in „Volkswohnungen“ und „Kleinsiedlungen“.( Auch Siedlungsstelle genannt) Kleinsiedlungen wurden bis zum Kriegsbeginn aus politischen Gründen bevorzugt, da die Kleinsiedlung dem Eigentümer die Möglichkeit der Selbstversorgung durch einen kleinen Garten und eingeschränkter Nutztierhaltung ermöglichte und dem gewünschten Familienzuwachs keine Schranken setzte. Durch den Besitz eines eigenen Heimes sollte sich der Arbeiter sich zudem mehr mit dem eigenen Boden verbunden fühlen und band ihn so verstärkt an die deutsche Heimat (Blut-und-Boden-Ideologie). Eine Kleinsiedlung oder Siedlungsstelle wurde in der Benutzungsordnung geregelt.

Es waren meist Siedlungen welche durch Organisierte Gruppenselbsthilfe entstanden sind, heute sind diese Siedlungen nicht mehr zeitgemäß da sie Zuviel Land verbrauchten.

In Hombruch gibt es noch eine Siedlung welche diesen Charakter hat, an der Hohe Braukstr. Diese Siedlung wurde gebaut mit Hilfe und für die Vertriebenen. Volkswohnungen hingegen waren alles, was nicht einer Kleinsiedlung, sprich einer isolierten Einheit der deutschen Familie, entsprach. Volkswohnungen waren billige Mietwohnungen in Ein- oder Mehrfamilienhäuser, die bis zum Kriegsausbruch weniger erwünscht waren, da sie vor allem das nationalsozialistische Ideal der kinderreichen Familie.

Mit Beginn des Krieges rückte aber die Sparsamkeit und Funktionalität des Wohnungsbaus wieder vermehrt in den Vordergrund, welche typisierte und rational ausgearbeitete Baupläne und Verfahren besser erfüllten, als der aufwändige Bau von Kleinsiedlungsstellen. Ziel der nationalsozialistischen Siedlungsplanung war eine Durchmischung von ein- und zweigeschossigen Kleinhäusern und Mehrfamilienhäusern mit möglichst nicht höherer Geschosszahl, die einen harmonischen Zusammenklang bilden sollten und sich in das Stadtbild einzupassen hatten

Neben diesen politischen Bauvorgaben musste der Architekt sich auch nicht minder wichtigen ästhetischen Regeln unterwerfen, die 1936 als „Baubedingungen der Stadt Waren“ an der Müritz vom Stadtbaurat Pinnow herausgegeben wurden. Diese ästhetischen Bauvorgaben hatten den Schutz des Stadtbildes unter Verwendung regionaler Baustoffe und -formen zum Ziel. Die Baubedingungen beinhalteten unter anderem die Umsetzung der Bauten als Ziegelrohbau mit Verfugung mit weißem Kalkmörtel, schiefergrau gedeckte Steildächer, die einen Neigungswinkel nicht unter 45° aufweisen mussten, und bündig mit der Mauer einsetzten und weiß gestrichene Fensterrahmen. Diese Richtlinien greifen die traditionellen Bauformen des norddeutschen Raumes auf und dienen der Harmonisierung von altem und neuem Stadtteil. Die Siedlung

Unter dem nationalsozialistischen Regime, setzte sich immer mehr die Auffassung durch sogenannte Volkswohnungen (Kleinwohnungen nahe den Industriewerken)zu bauen. Renninghausen erfüllte diese Anforderungen. Es gab um Hombruch herum mehrere Zechenbetrieb, es gab in Barop das Walzwerk und in Hörde das Stahlwerk Phönix. Auch waren noch einige Zechen in Betrieb

Die Wohnungsbaupolitik stand unter dem Einfluss Dortmund als Rüstungsstadt auszubauen. Propagandistisch wurde die dazu gehörende geplante und durchgeführte Bautätigkeit heraus gestellt. Eine wirklich ausgefüllte Baupolitik wurde erst nach den Schrecken der Bombardierungen zu Friedenszeiten vorgenommen.

Es gab bei den Planern aber einen Widerspruch zwischen angekündigter Bautätigkeit und deren Realisierung. Diesen Widerspruch gab es in vielen Bereichen nationalsozialistischer Ankündigung bzw. Plänen. Besonders groß war diese Diskrepanz im Baubereich

Jede Bautätigkeit wurde deshalb mit riesigem „ Tamtam“ durchgeführt und sei sie noch so unbedeutend. Anfang 1938 konnte der Betriebsführer der Hörder Hüttenwerke eine Siedlung von 20 Häusern einweihen. Mit großem Presseaufwand wurde dies als riesige Leistung heraus gestellt und als Teil der kommenden Großsiedlung Dortmund Süd gefeiert. Gleichzeitig wurde der Dortmunder Bevölkerung zu Weihnachten ein Weihnachtsgeschenk versprochen wie man es sich nicht besser vorstellen konnte. Eine neue „Stadt“ die Rudolf Hess Stadt.

Der Stadtentwurf von dem Dortmunder Architekten Joseph Wentzler (07.10.1884 in Vicht/Aachen-14.07.1942 in Dortmund) in Verbindung mit dem Oberbürgermeister Willi Banike (Christof Willy „Willi [[3]]Banike * 3. Juli 1900 in Amberg † 27. September 1970 in Iserlohn deutscher Jurist, Verwaltungsbeamter und Politiker (NSDAP) und ab 30.08.1934 bis12.04.1945 Oberbürgermeister der Stadt Dortmund. wurde als „ Stadt des deutschen Sozialismus „ bezeichnet.

Datei:Index.phpII.jpg Für Dortmund war der Bau dieser Siedlung eine Ehre.

Rudolf Hess, Gauleiter Josef Wagner und Kreisleiter Hesseldieck bei der Besichtigung eines Modells im Alten Rathaus


Vorbereitung der Bauphasen

Um eine Siedlung in dieser Größe zu bauen bedarf es einige Kraftanstrengungen und natürlich viele Opfer. Diese notwendigen „Formalien“ in einem Jahr zu schaffen kann nur in einer Diktatur geschehen. Die Hombrucher Bevölkerung erfuhr natürlich nicht was hinter den Kulissen geschah. Südlich und nördlich der Zillestr. gehörten etwa 72 Ar der Kath. Kirche. (das heutige Gebiet um die Egerstr und Reichenbergerstr) Dieses Land war Großteils Eigentum, ein geringer Teil war gepachtet und diente als Landwirtschaftliche Fläche dem Marienhospital als Versorgung. Mit der Begründung dass nur hier und an keiner anderen Stelle eine Bebauung möglich sei sowie der Hinweis das kein anderes Grundstück im Raum Dortmund geeignet sei begannen die Enteignungsverfahren.

Die Kath. Kirche stellte aber trotzdem ein Ausgleichsanspruch von 2,30RM pro m² welches schon deutlich unter dem üblichen Marktwert war, welcher um 3 RM pro m² lag. Es folgten langwierige Verhandlungen welche wir heute als „lächerlich“ bezeichnen würden, unter Vorsitz der Stadt Dortmund.

DO Vertrag.jpeg

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Die blaue Linie umschließt das Land der St.Clemens- Gemeinde und der schwarze Teil das gepachtete Land


Bauabschnitte

Unter diesen Voraussetzungen führten diese Verhandlungen zu der Planung des ersten Bauabschnittes.

I Bauabschnitt. der Raum südlich und nördlich der Zillestr, welche in Sudeten Damm umbenannt wurde. Die Straßen sollten als symbolischen Akt und zu Gedenken an das Münchner Abkommen den Namen Sudetendeutscher Stätte tragen. Marienbader, Eger, Karlsbader, Reichenberger, Aussig, Tetschener, Troppauer, Leitmeritz und Trautenauer Str.

II Bauabschnitt Erweiterung der Siedlung bis hinter Barop entlang der Stockumer Str. Hier sollte aber die gewachsene Struktur der Ortschaften Barop und Eichlinghofen erhalten bleiben und die neuen Siedlungen um die bestehenden Häuser herum geführt werden. Die Stockumer Str. sollte aber eine wichtige Verkehrsader bleiben.

II Bauabschnitt Erweiterung, entlang der Stockumer Str bis hinter Eichlinghofen

IV Bauabschnitt von Eichlinghofen bis Ortsbeginn Dorstfeld


V Bauabschnitt bis Ortsbeginn Hörde entlang der Zillestr

VI Bauabschnitt von Renninghausen über die heutige Bolmke bis Stadion Rote Erde und Volksbad. beide Sportstätten sollten in dieser Süd-West Stadt aufgehen

Die einzelnen Bauabschnitte sollten 1945 abgeschlossen sein. Es kam nur zum teilweisen Bau des I Abschnitt da der beginnende Krieg weiter Ausführungen zuließ.


Ausführung der Häuser

Die Häuser waren in ihrer Ausführung absolut identisch. Aufgrund der Zweckmäßigkeit wurde kaum Eisen und Stahl verbaut da man diese Materialien, diese Industriegüter, für die Rüstung benötigte. Es wurde eine einfache Holzbauweise bevorzugt.. Die Wohnungen waren in ihrer Aufteilung in ihrem Schnitt absolut identisch. Ein Umzug aus der Egerstr. in die Trautenauer Str. konnte ohne „Ausmessen“ vorgenommen werden da alle Wohnungsarten(2 oder drei Zimmer Wohnungen) die gleichen Maße hatten. Weiterhin gehörte zu jeder Wohnung ein kleiner Garten damit der Arbeiter durch selbst angebautes Gemüse seine Ernährung verbessern konnte. Die geplanten „Stallungen“ (Platz für höchstens ein Schwein) wurde schon nicht mehr angefangen da die Sparmaßnahmen griffen. Auch zeigte der beginnende Krieg seine Auswirkungen. In jedem Haus wurde die Waschküche als Luftschutzkeller erbaut. Noch heute sind trotz gründlicher Renovierung in vielen Häuser in den Waschküchen die Eingangstür als Luftschutztüren aus Stahl vorhanden. Auch konnte man von einem Haus zum anderen durch kleine Türen gehen um im Falle einer Zerstörung des Hauses den „Luftschutzraum“ verlassen zu können. Weiteihin sollten Erker und Wandbilder den Mustercharakter der Siedlung unterstreichen. 790px 550px

Diese Erker mit den Ornamenten verschwinden immer mehr aus Kostengründen da das Holz in kürzeren Zeiträumen gestrichen werden muss. Auch energetische Maßnahmen lassen diese Erker verschwinden.



Der erste Spatenstich

Am 02.02.1939 erscheint in der Westfälischen Landeszeitung –Rote Erde, Nr.32 folgender Artikel:

Datei:Presse.jpeg

Die Parteileitung plante hier eine große Selbstdarstellung. Schulklassen in HJ und BdM Hemden wurden zum Ort des ersten Spatenstichs befohlen. Die Büros der Stadtverwaltung blieben geschlossen. Damit die Beamten und Angestellte auch den Ort erreichen konnten wurden die Verkehrsbetrieb angewiesen an diesem Tag nur den halben Preis zu erheben. Der Gauleiter Josef Wagner wollte neben Rudolf Hess eine Rede halten SA und SS Verbände sollten als Ehrenformation das Festgelände (Baugelände) betreten. Dazu gehörte auch die Anweisung des Gauleiters den Straßenverkehr zwischen dem Baugebiet und der Westfalenhalle zu sperren. Wagner vergaß auch nicht in jedem öffentlichen Gespräch zu erwähnen das er gerne auch die Industriearbeiter zu diesem Festakt beordern wollte, dies aber leider nicht möglich war da in den Werken jede Hand benötigt wurde, zum Wohle Deutschlands.

Das Ereignis wurde im Einzelnen genau geplant mit Festlegung des Festgeländes. Skizze: Der Stern gibt den Standort des Fotographen wieder. Bild 1-3 die Bildrichtung

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