19. April 1946

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Editorial 1938 1939 1940 1941 1942 1943 1944 1945 1946 1947 1948 1949 Gefangenschaft Anhang

Chronik 40–45

Januar Februar März April Mai Juni Juli August September Oktober November Dezember Eine Art Bilanz Gedankensplitter und Betrachtungen Personen Orte Abkürzungen Stichwortverzeichnis Organigramme Literatur Galerie:Fotos,Karten,Dokumente

Chronik 45–49

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31.

Erfahrungen i.d.Gefangenschaft Bemerkungen z.russ.Mentalität Träume i.d.Gefangenschaft

Personenverzeichnis Namen und Anschriften Personal i.IR 477 40–44 Übersichtskarte (Orte,Wege) Ortsverzeichnis Vormarsch-Weg Militärische Rangordnung 257.Inf.Div. MG-Komp.eines Inf.Batl. Kgf.-Lagerorganisation Kriegstagebücher Allgemeines Zu einzelnen Zeitabschnitten Linkliste Originalmanuskript Briefe von Kompanie-Angehörigen

19.4.46 Karfreitag. – Wir haben ein Musterexemplar von einem Gesinnungslumpen unter uns: Der ehemalige Luftwaffenleutnant Mahnkopf aus Hamburg – Bis zum Kriegsende war er NS-Führungs¬offizier und hat noch auf dem Marsch in die Gefangenschaft einem Kameraden Ohrfeigen angeboten, als dieser bemerkte: ‚Das haben wir Hitler zu verdanken!‘ Heute ist Mahnkopf Antifa-Mitglied und Spitzel in russischen Diensten, schnüffelt herum und beschimpft seine ehemaligen Offizier-Kamera¬den als Kriegsverlängerer! Da er unter russischem Schutz steht, können wir nichts gegen ihn unter¬nehmen.

Der Russe hat wieder erlaubt, dass wir Vorträge über unser Berufsleben oder andere Fachvorträge hal¬ten können. Ich gebe auch Französisch-Unterricht. Nach einer solchen Stunde kommt ein junger Ari-Leutnant zu mir. Er ist ein ehemaliger Schüler von mir aus der Schlüterschule in Charlottenburg.[1] Er hat mich an meiner Stimme und einigen für mich typischen Doziergesten wiedererkannt.

Die Verteilung der kalten Verpflegung ist immer ein Akt lautloser, dramatischer Spannung. Das Brot wird z. B.als halbes Brot geliefert und muss für die Mitglieder der Verpflegungsgruppe (8–10 Mann) in möglichst gleiche Teile geschnitten werden. Der Verteiler ist zwar als Vertrauensperson von der Gruppe gewählt worden, ist aber trotzdem bei der Verteilung von der Gruppe umlagert, die seine Arbeit mit argwöhnischen Blicken verfolgt. Dennoch versuchen manche Verteiler zu mogeln, wobei es manchmal zu grotesken Situationen kommt. Manche Gruppen haben sich kleine Waagen gebaut, mit denen auch Fisch und Zucker abgewogen werden. Trotz allem gibt es öfter Streit, und die Verteiler wechseln mehrfach. Auch ich war Verteiler, und da ich nie so verfressen war und immer absolut gerecht verteilt habe, bin ich hier und in anderen Lagern immer lange Zeit Verteiler gewesen.

Unsere Pritschen sind 2-stöckig und bestehen aus einer durch die ganze Baracke gehenden Bretterlage, auf der pro Mann 45 cm Liegefläche vorgesehen sind. Skizze Seite 292. Bei der Seitenlage mit leicht angezogenen Knien stoßen die Knie fast in die Kniekehlen des Nebenmannes. Daher drehen wir uns während des Nachtschlafes von Zeit zu Zeit auf Kommando alle gleichzeitig auf die andere Seite. Nur ich habe es etwas besser, denn ich liege am Ende der Pritschen und kann meine Knie über die Bretter¬kante hinaus in die Luft strecken.

Der Winter ist lang, dunkel und eiskalt. Nachmittags um 15 Uhr ist es bereits stockfinster, sodass wir unsere Kienspäne als Beleuchtungskörper schräg in die Barackenwände stecken. Manchmal liegen wir aber auch im Dunkeln auf unseren Pritschen, während einer von uns von seinem Platz aus einen Vortrag hält. – Heute sind es minus 25°C. Die Fenster sind vereist, aber durch ein kleines, durch Anhauchen aufgetautes Loch sehen wir das draußen angebrachte Thermometer. Unmittelbar nach Sonnenaufgang sinkt es plötzlich nochmals um mehrere Grade.


  1. An der Schlüter-Oberschule für Jungen (bis 1937 Kaiser-Friedrich-Schule, heute in ihrem Gebäude die Joan-Miro-Grundschule; s. a. Schulgeschichte) fand der Autor seine erste Anstellung (Fotos).

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