23. April 1941

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Editorial 1938 1939 1940 1941 1942 1943 1944 1945 1946 1947 1948 1949 Gefangenschaft Anhang

Chronik 40–45

Januar Februar März April Mai Juni Juli August September Oktober November Dezember Eine Art Bilanz Gedankensplitter und Betrachtungen Personen Orte Abkürzungen Stichwortverzeichnis Organigramme Literatur Galerie:Fotos,Karten,Dokumente

Chronik 45–49

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31.

Erfahrungen i.d.Gefangenschaft Bemerkungen z.russ.Mentalität Träume i.d.Gefangenschaft

Personenverzeichnis Namen und Anschriften Personal i.IR 477 40–44 Übersichtskarte (Orte,Wege) Ortsverzeichnis Vormarsch-Weg Militärische Rangordnung 257.Inf.Div. MG-Komp.eines Inf.Batl. Kgf.-Lagerorganisation Kriegstagebücher Allgemeines Zu einzelnen Zeitabschnitten Linkliste Originalmanuskript Briefe von Kompanie-Angehörigen

Das Bataillon wird verlegt. Es sollen noch einige Divisionen in unserem Raum stationiert werden. Die Einheiten rücken dichter zusammen.[1] Das ist nun doch deutlich! Wir packen und verladen also und rücken zum Marktplatz, wo das Bataillon sammelt. Es ist ein kriegerisches Bild, das sich auf dem Platz entfaltet. In langen Kolonnen stehen Soldaten und Fahrzeuge am Bürgersteig entlang und bilden ein großes Viereck. Melder laufen hin und her. Rufe, Befehle und Kommandos erschallen. Berittene stehen wie Bildsäulen vor ihren Zügen. Ich selbst, in Kampfausrüstung mit Stahlhelm und umgehäng¬ter Maschinenpistole, reite langsam an meinem Zug entlang. Da kommt Sofia mit einer Freundin auf dem Bürgersteig an mir vorbei. Aber sie sieht mich nicht an.

20 Uhr. Das Bataillon setzt sich in Bewegung. Unser Marschziel ist das Dorf Męcinka, sechzehn Kilometer ostwärts von Jasło. (Męcinka wird hinter dem „e“ mit einem nasalen „n“ gesprochen: Me(n)cinka).

Es ist schon dunkel, als wir unseren neuen Standort erreichen. Beim Schein der Taschenlampen fahren unsere Fahrzeuge auf einer Wiese auf, wo sie unter Bäumen in Fliegerdeckung stehen. Der lehmige Boden ist nass und aufgeweicht, so dass das Auffahren nicht ganz reibungslos verlief. Während die Fahrer dann ausspannen und die Pferde versorgen, suchen die Züge ihre Quartiere auf. Mein Zug liegt in einem großen Schulraum, ich selbst mit dem Kompanietruppführer in einem Bauernhaus, das von einer Frau mit ihrer etwa 16-jährigen Tochter bewohnt wird. Es ist ein einfaches Lehmhaus mit Stroh¬dach, wie sie in vielen polnischen Dörfern stehen. Nach einigen Tagen wechsele ich aber dieses Quar¬tier. An meiner Stelle zieht Gefreiter Sasse zu dem Kompanietruppführer, während ich mit einem akti¬ven Oberfeldwebel zusammenziehe. Unsere neue Unterkunft liegt oben am Rand eines ziemlich stei-len Hanges, ist sauberer als das erste Haus, hat Dielen und Fenstergardinen und gehört einem polni¬schen Eisenbahner, der nett und freundlich zu uns ist. Er hat noch eine Frau und zwei Töchter, und die ganze Familie versteht kein einziges Wort Deutsch. Meinem Kameraden, der als Oberschlesier flie¬ßend polnisch spricht, macht das nichts aus. Ich aber bin gezwungen, polnisch zu reden und lerne auf diese Weise viel und schnell.

Unser lebenslustiger Oberleutnant hat sich beim Alten wieder einmal in die Nesseln gesetzt. Obgleich er mit seinem Zug Alarmwache hatte, erschien er abends im Schlafanzug in der Tür seines Hauses. Als der Chef das erfuhr, war der Teufel los. Kurze Zeit darauf wurde dieser pflichtvergessene Heini ver¬setzt, und wir bekamen einen anderen Kompanieoffizier. Es ist Leutnant Herzog, groß, schlank, mit schmalem Gesicht und einem leichten Sehfehler. Wir haben uns von Anfang an gut verstanden, denn er mochte mich aus unerfindlichen Gründen gern leiden.

Dicht beim Dorf liegt ein kleines Elektrizitätswerk, in dem ein deutsches Polizeikommando unterge¬bracht ist. Das Gelände um dieses Werk ist mit Ginster und Weidengebüsch bestanden und eignet sich gut für unseren Geländedienst. Hier übe ich meist mit meinen Granatwerfern. Nach dem Dienst spa¬ziere ich durch das Dorf, spreche die Leute an oder werde angesprochen, wobei ich dann auch in die Häuser gehe. Bei einer Familie war ich zweimal. Der Mann ist verschlossen. Er mag uns nicht. Aber die Frau ist sanft und freundlich, und die etwa 20-jährige Tochter ist sehr zutraulich und will alles Mögliche von mir wissen und erklärt bekommen, vor allem Worte, die unsere Landser ihr auf der Straße zurufen.

Von Zeit zu Zeit reite ich mit den anderen Feldwebeln durch die Umgebung. Einmal durchschwimmen wir mit den Pferden ein kleines Flüsschen, das in der Nähe des Dorfes am Elektrizitätswerk vorbei¬fließt. Wir ritten ins Wasser, bis die Pferde den Boden unter den Füßen verloren und losschwammen, während wir ruhig im Sattel sitzen blieben. Auf dem Rückweg ließen wir uns, sobald die Pferde zu schwimmen begannen, aus dem Sattel gleiten und schwammen nebenher, wobei wir das Pferd nur mit einer Hand an der Mähne fassten. Bei dieser Methode musste man nur wieder rechtzeitig im Sattel sitzen, bevor das Pferd am anderen Ufer Grund fasste. Das alles taten wir in voller Uniform. Es war warm genug, und die Sachen trockneten schnell.

Ein andermal kletterte ich mit Leutnant Herzog einen bewaldeten Hang hinauf bis zu einem Wasser¬tümpel, wo wir mit unseren Pistolen nach Fröschen schossen. Manchmal ging ich auch in unsere Kompaniekantine, die wir im Schulgebäude eingerichtet hatten. (Übrigens hatte ich in Jasło einmal den Kantinenunteroffizier während seines Urlaubs für 14 Tage vertreten. In diesen zwei Wochen hatte ich die Kasse völlig durcheinander gebracht.)


  1. TätBer 257. I.D. T-315 Roll 1802 Frame 000580. Ab April rückte die Division schrittweise an die Demarkationslinie am San heran. (Benary S. 23)

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