9. Juli 1941

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Editorial 1938 1939 1940 1941 1942 1943 1944 1945 1946 1947 1948 1949 Gefangenschaft Epilog Anhang

Chronik 40–45

Januar Februar März April Mai Juni Juli August September Oktober November Dezember Eine Art Bilanz Gedankensplitter und Betrachtungen Personen Orte Abkürzungen Stichwort-Index Organigramme Literatur Galerie:Fotos,Karten,Dokumente

Chronik 45–49

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31.

Erfahrungen i.d.Gefangenschaft Bemerkungen z.russ.Mentalität Träume i.d.Gefangenschaft

Personen-Index Namen,Anschriften Personal I.R.477 1940–44 Übersichtskarte (Orte,Wege) Orts-Index Vormarsch-Weg Mil.Rangordnung 257.Inf.Div. MG-Komp.eines Inf.Batl. Kgf.-Lagerorganisation Kriegstagebücher Allgemeines Zu einzelnen Zeitabschnitten Linkliste Rotkreuzkarte Originalmanuskript Briefe von Kompanie-Angehörigen

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GEO INFO
Vormarsch, z. T. in Nachtmärschen
8./9. (Litwinow–) Bialokiernica (Rast)–Sokolow/Chalki[1]
9./10. –Nowy Tyczyn–Darachow (Rast)[2]
10./11. –Monasterzyska[3]
Karte — map
Eine Maschinengewehr-Kompanie in Fliegermarschtiefe[4]
MG-Karren für die 2 schweren Maschinengewehre eines Halbzuges
Pause auch für die Pferde[5]

Der Tagesablauf beim Vormarsch war im Grunde immer derselbe. Morgens treten die einzelnen Bataillone zur festgesetzten Zeit in ihren Quartierräumen an und fädeln sich dann in einer ebenfalls festgelegten Reihenfolge in die Marschkolonne des Regiments ein. Die Reihenfolge wechselt. Die Marschordnung, die Abstände – z. B. Fliegermarschtiefe bei Luftangriffsgefahr – richten sich nach der Kriegslage. Die tägliche Marschleistung richtet sich nach der Gefechtslage, ist aber auch vorn Gelände und vom Wetter abhängig. Bei uns beträgt sie zur Zeit 25 bis 30 Kilometer. Anfangs wurde streng auf die Vorschriften geachtet. Später war die Zweckmäßigkeit entscheidend. Zeitweilig drangen die Panzer- und Mot.- (motorisierten) Divisionen so stürmisch vorwärts, dass die Infanteriedivisionen größte Mühe hatten nachzukommen. Uns wurden enorme Marschleistungen abgefordert, und um sie zu erfüllen, verfielen die Landser auf alle möglichen Mittel und Wege, die auch geduldet wurden, wenngleich sie sich nicht immer bewährten. Da beschafften sich einige Landser Hand- und Kinderwagen für ihr Marschgepäck und merkten bald, dass das Tragen zweckmäßiger war. Mein Quartiergenosse in Męcinka, der Oberfeldwebel, nimmt einem Passanten das Fahrrad weg. Der Jude überlässt es ihm notgedrungen mit den Worten: „Nehmen Sie es in Gottes Namen!“. Das war natürlich glatter Diebstahl. Derselbe Oberfeldwebel hatte die Männer seines Zuges auch heimlich abwechselnd auf den Gepäckfahrzeugen mitfahren lassen, denn es war verboten. Bei den Männern machte er sich auf diese Weise beliebt, aber seine Zugpferde belastete ••• S. 24 •••er doppelt. Denn einmal waren die HF1 (Heeresfahrzeug 1, das Standardfuhrwerk der Wehrmacht) ohnehin überladen, und zum andern wurden die Tiere in dem stark hügeligen Gelände sowieso überstrapaziert. Unsere schweren, sehr solide gebauten HF1 waren für das Gelände im Osten ungeeignet. Außerdem hatten viele sicher mehr als die zulässigen 15 Zentner pro Gespann geladen.

Als sich dann bei unseren Zugpferden die ersten Ermüdungserscheinungen bemerkbar machten, mussten alle Berittenen ihre Reitpferde abgeben, damit diese zusätzlich als Zugpferde eingespannt werden konnten. Seit ich nun kein Reitpferd mehr habe, bin ich oft auf die Lkws der uns überholenden Mot.-Kolonnen gestiegen und einige Kilometer vorausgefahren, um dann an einem markanten Punkt auf unsere nachfolgende Kolonne zu warten. Auf diese Weise habe ich zahlreiche Vormarschkilometer als Trittbrettfahrer bewältigt. Das waren die Lichtpunkte in der heißen, anstrengenden Vormarschzeit. Aber es geht ja weiter, immer weiter, Tag um Tag, Woche um Woche. Es sind harte Wochen, aber die Stimmung ist gut. Es geht ja vorwärts!

Tagesziel war gewöhnlich eine Ortschaft, meist ein Dorf, selten eine Stadt. Am Ziel löste sich die lange Marschkolonne in die einzelnen Einheiten, Kompanien, Züge und Gruppen auf[6], die dann ihre vorbestimmten Quartiere bezogen. Die Fahrzeuge zogen auf die Höfe, unter Bäume oder hinter Häuser. Die Fahrer spannten aus und versorgten die Pferde. Die Männer legten ihr Gepäck in den Unterkünften ab, und dann begann der schönste Teil des Tages. Aus den Brunnen schöpfte man Wasser, und dann standen die Landser mit nacktem Oberkörper über die Eimer gebeugt, um prustend und planschend den Staub der Landstraße abzuspülen. Erfrischt und abgekühlt begann man dann, die Umgebung nach Essbarem abzusuchen, Brot, Milch, Eier oder Hühner zu besorgen. Leider auch oft auf unanständige und unvernünftige Art und Weise. Ich habe erlebt, dass die Fahrzeuge kaum im Hof aufgefahren waren, als auch schon Knüppel oder Beile nach den aufgescheuchten Hühnern flogen. Es muss leider gesagt werden, dass in vielen Dörfern, die von deutschen Truppen belegt waren, nach kurzer Zeit kein einziges Huhn mehr vorhanden war, weil die Landser in ihrer Fressgier alles vertilgt hatten. So gab es dann auch keine Eier mehr. Es war diesen Idioten nicht klarzumachen, dass sie laufend Eier hätten haben können, wenn sie nur einmal auf ein Huhn verzichtet hätten. Zur Entschuldigung unserer Landser muss ich allerdings erwähnen, dass vor unserem Einmarsch die Russen in diesen Gebieten waren, und die haben sich genau so reichlich bedient. Nur so kann ich mir erklären, warum die Bevölkerung trotz solcher hässlichen Vorkommnisse immer noch freundlich zu uns ist.


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Personen-Index Namen,Anschriften Personal I.R.477 1940–44 Übersichtskarte (Orte,Wege) Orts-Index Vormarsch-Weg Mil.Rangordnung 257.Inf.Div. MG-Komp.eines Inf.Batl. Kgf.-Lagerorganisation Kriegstagebücher Allgemeines Zu einzelnen Zeitabschnitten Linkliste Rotkreuzkarte Originalmanuskript Briefe von Kompanie-Angehörigen

  1. so befohlen (KTB 257. I.D. Frame 000329/330)
  2. Abmarsch am 110.7. um 1.00 Uhr (KTB 257. I.D. Frame 000337); befohlenes Ziel Trembowla wurde lt. Karte (KTB 257. I.D. Frame 000343) nicht mehr vor dem Unterstellungs- und Marsch¬rich¬tungswechsel erreicht.
  3. Dokument fehlt
  4. Auf diesem Bild handelt es sich um die 4./I.R.284 auf der Straße von Gorki nach Mina
  5. Obergefreiter Meier vom I.R.252 mit Suronta und Sirene
  6. Erläuterung der Bezeichnungen für die verschiedenen militärischen Formationen findet sich im Anhang unter Militärische Rangordnung